322 Dritter Theil. Der Gelegenheitsverbrecher.
Alle diese traurigen Abarten des Verbrechers müssensich natürlich in Bezug auf Bückfälligkeit und Frühreife ver-balten wie der geborene Verbrecher, entweder weil sie auf Fort-dauer des kindlichen Zustandes beruhen, oder weil das Ver-brechen zu einem organischen Bestandtheil, Fleisch von ihremFleische geworden ist, da man das böse "Wesen des Kindesauszutreiben versäumt hat.
Da diese Abarten aber duu einmal bestehen, so ist esnatürlich, dass die eigenthümliche Stellung, welche jede oftwiederholte Gruppe psychischer Akte nach und nach durchVerschmelzung und Umbildung gewisser Neigungen — ähnlichden Pseudomembranen bei Kranken — einnimmt, so ist esnatürlich, sagen wir, dass sie eine bestimmte Bichtung ein-schlagen und konstant im Bezidiv und im Stolz auf das Ver-brechen sich begegnen. Sind docb jene Neigungen zu einerArt A r on Lebensfunktion geworden, infolge des "Wiederhörens,infolge auch des eigenartigen Kampfes gegen alles, infolgeder gegenseitigen Vertheidigung und endlich der innerenEmpörung.
IV.
Geheime Verbrecher.1. Beiche und Mächtige. Wie der Gelegenheitsver-brecher, so kommt auch der geborene Verbrecher nicht zumVorschein, wenn ihm die Gelegenheit abgeht, oder wennBeichthum und Macht ihm erlauben, seine schlimmen Nei-gungen ohne Verstoss gegen die Gesetze zu befriedigen. Mir sinddrei Personen bekannt, die, mit allen leiblichen und geistigenKennzeichen des geborenen Verbrechers versehen, durch ihrehohe soziale Stellung vor dem Gefängniss bewahrt wurden.Einer von ihnen bekannte selbst, wenn wir nicht reich ge-wesen wären, wir hätten gestohlen. Ein Zweiter, der in meinerGegenwart einen armen, wehrlosen Bauern schlug, rief: „0,nicht gemuckst! als ich jung war, nannte man mich „Galeere"und es kostet mir nicht viel, so schlage ich dich zu Boden I"Auch hierbei kommt uns Dostoyewski mit einer seiner köst-lichen Schilderungen zu Hülfe: