Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
317
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Zweites Kapitel. Gewohnheitsverbrecher. 317

oder wenn sie dort sind, unsere Aufmerksamkeit wegen desgeringen Usich ziehen.

geringen Unterschiedes vom normalen Menschen nicht auf

HI.Gewohnheitsverbrecher.

Wir kommen nun zu der Reihe von Verbrechern, inwelcher Anomalien, neuropathische Erscheinungen und Erblich-keit noch weniger als bei den Kriminaloiden hervortreten undwo nach Ansicht der Anthropologen Anlage zum Verbrechengar nicht vorhanden sein sollte.

Den grössten Theil von ihnen machen Leute aus, dieeigentlich normal und ohne schlimme Anlagen bei der Geburt,.durch Vernachlässigung der Erziehung iu der ersten Jugend,sowohl im elterlichen Hause als auch in den Schulen u. s. w.,nicht die Kraft gewonnen haben, sich zu einem ehrenhaftenLeben durchzuarbeiten, sondern vielmehr auf dem kindlichenStandpunkt mit seinen naturgemäss schlimmen Eigenschaftenstehen geblieben sind und die letzteren noch mehr ausgebildethaben.

Das ist der Punkt, an dem die vorgeblichen Wunder derErziehung sich bemerkbar machen, die, wir wiederholen es,nicht, darauf beruhen, dass die Erziehung den geborenen Ver-brecher in einen Ehrenmann umwandelt, sondern darauf, dasssie das überhaupt, seiner Natur nach (physiologisch) schlimmeKind verhindert ein pathologisches Wesen, ein Gewohnheits-verbrecher zu werden.

Es ist natürlich, dass Jene in ihren ersten Lebensperiodeneine geringere Kraft auf dem Wege des Verbrechens entwickeln.Fehlen ihnen ja doch fast ganz die Degenerationszeichen, dieErblichkeit und Neurosen. Daher kommt es, dass sie sichauf die weniger verabscheuten Verbrechen verlegen, aufTaschendiebstahl, Betrug, Schlägerei u. s. w. Das ist inWirklichkeit die Stufenleiter des Verbrechens, es sei denn,dass eine Verbrechererziehung sie von vornherein zum gewerbs-mässigen Betrieb des Verbrechens verleitet.