Zweites Kapitel. Kriminaloide. 305
Neuropathische und psychische Anomalien kommen bei45% der Mörder, bei 33 % Stupratoren, bei 23% der Räuberund bei 24% der Einbrecher vor. Sie sind indes auch beiden Gelegenheitsverbreehern häufig, bei Raufbolden in 25 %,bei Betrügern 23,3 %, bei Hausdieben in 31 %, bei Taschen-dieben in 30%.
10. Besondere Merkmale.— Nun wird man sagen:Neben der geringeren Intensität der Charakterzüge muss esdoch noch besondere Merkmale geben, durch welche dieseGelegenheitsverbrecher von den unbescholtenen Leuten sichunterscheiden.
Allerdings ist das der Fall. So beschreibt uns Pebacchiaz. B. die eigentümlichen Züge der Schmuggler, welche letzterewir für die reinste Art von' Gelegenheitsverbrechern halten.
„Meine Schmuggler zeichnen sich durch hohe Statur,stramme Haltung, schlanke Körperform aus, ihr Gesicht istoft asymmetrisch, die Stirn ist hoch und breit, das Haar dicht,bei vielen lockig, der Blick unsfcät, misstrauisch, wild, Nasegebogen (Habichtsnase); Bartwuchs meist spärlich. Schädel-kapazität überschreitet die mittlere normale. Die Jochbeinetreten ziemlich hervor, der Unterkiefer ist meist normal, nurin einem Falle fand ich einen grossen Unterkiefer mit Hänge-backen. Bei vielen ist die linke Seite stärker entwickelt, derGang nach links geneigt. Ihr Gesicht ist stark gefurcht.Diese Thatsache ist meiner Meinung nach nirgends betontworden, obgleich ich sie bei vielen Verbrechern beobachtethabe. Ich hoffe, sie wird durch neue Beobachtungen bestätigtwerden.
Die Schärfe ihres Auges und Ohres ist bekannt. Sie sindverschlagen, gewandt und lügnerisch, denn da der Charakterder Gemeindeangehörigen im allgemeinen gelobt wird, soerzählt man sich dagegen viel von den Schlichen und Spitz-bübereien der Schmuggler. — Sie besitzen die klassische Eitel-keit des Verbrechers. — Einer von ihnen machte mir Kon-kurrenz in der geburtshülflichen Praxis. Ich wurde eines Tageszu einer Kreisenden gerufen und fand ihn mit .der Extraktiondes Kindes beschäftigt. Er stand auf und erklärte mir, er sei
Lombroso, Der Verbrecher. II. 20