Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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304
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304 Dritter Theil. Der Gelegenheitsverbrecher.

vorhanden, sondern es findet auch eine grosse Aehnlich-keit mit dem Verhalten (impetus) Derer statt, die sich vomAugenblick zum Verbrechen hinreissen lassen; den Unterschiedbildet nur das Fehlen der Hyperästhesie und des unbescholtenenLebenswandels. Handelt es sich gar um Trunkene, dann sinddie Einen von den Anderen gar nicht zu unterscheiden.

Viele haben, im Gegensatz zu den geborenen Verbrechern,einen wahren Widerwillen gegen die Verbrecher und wünschenim Gefängniss allein zu bleiben; fast alle haben Anhänglichkeitan die Familie, und die Hehler, wenn sie frei kommen, sindtreffliche Familienväter.

Fast alle gestehen sie auch leicht und aufrichtig (freilichübertreiben sie gern die Veranlassungen zur Verübimg ihresVerbrechens und suchen die Schwere desselben herabzusetzen);seltener ist bei ihnen die Reue.

Geborene Verbrecher.

Unter den Mördern gestanden 26.% und erzählten den Vorgang 30 °/o

Todtschlägern 32 % ,, 26 %

Gelegenheitsverbrecher.

Unter den Raufbolden gestanden 25 °/o und erzählten den Vorgang 61 "/o

Hausdieben 15 % ,, 63 °/o

Taschendieben 8 % .., 62 %

Das impulsive Handeln ist nicht geringer, aber weitausseltener ist die Mitleidlosigkeit, die einen der hervorragendstenCharakterzüge der geborenen Verbrecher abgiebt und die, wiewir sahen, mit der Sinnesabstumpfung in Verbindung steht.Ich kannte Betrüger, deren Gemütk empfindlicher war, alses durchschnittlich zu sein pflegt.

Der Bankerottirer, der Spieler, der Fälscher unterstützengern die Armen, ihr Wohlthätigkeitssinn ist oft übertriebenund gar nicht selten die erste Ursache zu ihren Verbrechen.

Man denke an Casanovas Werke der Barmherzigkeit, anseine Milde und Güte.

Die Stumpfheit des Intellektes, die, nach Marro, beiBetrügern, Taschendieben und Hausdieben fehlt, ist in hohemGrade bei Mördern und Stupratoren vorhanden. Viele Be-trüger und Raufbolde besitzen sogar eine Art von Genialität.