Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
280
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280 Dritter Theil. Der Gelegenheitsverbrecher.

der Ursache entspricht, dass er oft sogar den Richtern wie einRäthsel oder Wahnsinn ercheint. Sind erst ein paar Gläser"Weins hinunter, so schäumt die Leidenschaft in der erhitztenPhantasie wegen einer Lappalie auf, und der mit dem Messerbewaffnete Arm thut so rasch seinen Dienst, dass dem Kopfnicht Zeit bleibt, ihn zu versagen.

Dazu kommt das rohe Vorurtheil, dass der kein Mannsei, der eine Beleidigung nicht rächt, und dass die Würde desMannes verlange, sich selbst Recht zu verschaffen und nichtmit Hülfe der Obrigkeit.

Noch vor wenigen Jahren heirathete ein Mädchen ausdem Volke nicht gern Einen, der nie das Messer, gezogen;dem Geliebten schenkte sie wohl ein Messer als Pfand derTreue und ritzte ihren Namen darauf ein oder die Worte:Mein Lieb mein Herz" u. s. w. Während in Ober-Italienjeder Ehrenmann der Obrigkeit bei der Ergreifung eines Diebesoder Mörders behülflich sein zu müssen glaubt, wird der Mannaus dem Volke in Rom, der unter Obrigkeit nichts versteht alsSteuern und Stempelpapier u. s. w. und der ein starkes Selbst-gefühl besitzt, entweder selbst jenen tödten oder ihn laufen lassen,als eine Sache, die ihn nichts angehe; auch wird er nicht alsZeuge dienen, wenn er zufällig einen Mord mit angesehen hat;das ist so alte Gewohnheit von der päpstlichen Herrschaft her.Aehnliches zeigt uns in Bezug auf die Romagna derausgezeichnete Statistiker Alfred Oomandini in seinem BucheLe Eomagne, Verona 1881.

Der Grund von allem Unheil liegt in dem Missbrauchdes Weines, in dem weitverbreiteten Brauch des Waffentragensund in den politischen Vereinen, die aus der Zeit des Des-potismus sich erhalten haben. Alle Gesellschaftsklassen nahmendaran theil, auch auf Gefahr ihres Kopfes. Ihre Bestrebungenwaren ehrenhaft; oft jedoch begünstigten sie die Flucht oderStraflosigkeit eines Missethäters, weil er in der Haft sie hätteverrathen können.

Gegenwärtig haben diese Verbindungen weder einenpolitischen, noch einen erziehlichen Zweck, auch nicht einmalden von gegenseitiger Unterstützung. Meist sind es Gelegen-