Erstes Kapitel. Sprüchwörter. Statistik. 263
Wahlberg (Stockholm. Congr.) unterscheidet Gewohnheits-und Gelegenheitsverbrecher, wie schon vor ihm Mauby (Journ.des savcmts 1887), Beltbani-Scalia und Puglia (Arch. dipsichiatr. Bd. I.).
Abbe Crozes (Souvenirs de la gründe Roqudte 1888)sagt am Schlüsse seines Buches: „Es giebt 2 Kategorien vonVerbrechern, solche, die aus Lust am Verbrechen es sind, dieunverbesserlichen, die im Gefängniss neue Pläne schmiedenund Zöglinge werben, ihr Handwerk lieben und stolz daraufsind. Keinerlei Einrichtung bessert sie; im Gefängniss fühlensie sich behaglich, wie ein Maler in seinem Atelier. Sie sinddie besseren unter den Gefangenen, zetteln niemals Ver-schwörungen an, kennen ihre Hechte, und Pflichten und derDirektor wird immer gut von ihnen sprechen. Die anderen,die- Gelegenheitsverbrecher, suchen sich anfangs zu isoliren,Einer und der Andere von ihnen schliesst sich der vor-genannten Klasse an, um das Handwerk zu lernen."
2. Sprüchwörter. — Dieser Einfluss der Gelegenheithat sich unter dem Volk schon im Alterthum so kenntlichgemacht, dass er sprüchwörtlich geworden ist. Zum Beweisedie venetianischen Wahrwörter:
Chi traffioa raffica.La necessita fa menar le mani.
El bisui fa i pui co la lege. (II bisogno fa i pugni.. .)Ebenso die Tpskanischen:
La neeessitä fa Puomo ladro.
La fame spinge al delitto.
ItfivkivTi yXtnxtiv Igt' ävay/.aimq t%wv.
Viro esurienti neeesse est furari. (Aus Hunger stehlen ist keine Sünde.)
Farnes et mora bilem in nasum consciunt. (Noth kennt kein Gebot.
Noth bricht Eisen.)L'oeeassion fait le larron.Chi accompagna il diavolo finisee oon lui. (Portugies.)
3. Statistik. — Dieses Verhalten scheint die Statistikin hohem Maasse zu bestätigen.
In Lacomtes schönem Bericht über die GefangeneuPhiladelphias (1840) finde ich, dass von 368 Gefangenen116 Verbrechen begingen infolge eigenen Antriebes, 115 infolge