Siebentes Kapitel. Halbverrückte Verbrecher. 237
aedinis Verrückten der Fall ist. Bei den niedrigsten Gradenist die Geschwindigkeit fast dieselbe, nur dass der Unterscliiedzwischen den höchsten und den niedrigsten' Zahlen, alsozwischen dem raschen und dem langsamen Eintritt der Re-aktion ein grösserer ist.
7. Funktions-Anomalien. — Im Körpergewicht, inder Muskelkraft, im Tast- und Schmerzgefühl fand sich bei10 darauf Untersuchten nichts Abnormes. Bei Zweien gabdas Tastgefühl 1,1 mm, war also feiner als bei Gesunden.
Bei Vielen jedoch machen sich Erscheinungen geltend,die von vorherbestandenen Störungen der NervenzentrenZeugniss ablegen. G. und Sp. haben Zuckungen im Ge-sicht, rechtsseitige Ptosis, oder Tiefstand des oberen Lides;Anästhesie bei Lazzaretti und Passanante. Delirien und Kon-vulsionen bei Oordaglieri; epileptische Krämpfe bei Mangioneund De Tommasi.
8. Affekte. — Ein negatives Merkmal ist die Erhaltungder Zuneigung für die Familie und des Wohlwollens fürAndere, welches sogar bis zur Aufopferung sich steigern kann,wo dann allerdings der Verdacht entsteht, dass dahinter eingut Theil Eitelkeit sich versteckt.
D. liebte seine Frau und Neffen und arbeitete fort-während für die Familie; Oianchettini erhielt seine taubstummeSchwester, Lazzaretti betete seine Frau an.
Auch ist der ethische Sinn, wie der Sinn für Ordnungbei ihnen erhalten, ja sogar bisweilen übertrieben. Fast immersind sie massig. Bosizio lebte nur von ungesalzener Polenta,Passanante von Brot, Mangione, bei seinen 13 Sous, vonErbsen und Bohnen; Oianchettini hatte sich durch Sparsam-keit in seiner Stellung als Pförtner in einer Kaserne einkleines Vermögen erworben.
9. Intelligenz. — Die Intelligenz zeigt keine besonderenMängel. Sie können im praktischen Leben eine erheblicheSchlauheit und Gewandtheit entwickeln, so dass sie zu Aerzten,Deputirten, Offizianten, Professoren, ja sogar bis zum Staats-rath sich emporschwingen. Aber eigentümlich und krankhaftist an ihnen die übertriebene Lust zur Beschäftigung mit