220 Zweiter Theil. Der irre Verbrecher.
Ein 25 Jahre altes Mädchen aus guter Familie verfolgteeinen Priester mit Liebesbriefehen, wie z. B. „Mein Geliebter,wo bist du"? Wo finde ich dich? Niemand kennt uns" undunterzeichnete „Laura, die dich mit feurigen Küssen küsst."Kurz darauf erhebt sie gegen ihn die Klage auf Verführung.Eine Achtzehnjährige erklärte dem Staatsanwalt, dass ver-schiedene Priester sie missbraucht und eine Köchin ihnen dabeiBeistand geleistet hätte. Sie giebt die ausführlichsteu Detailsan, z. B. eines Abends sei sie in der Kirche gewesen undhabe nicht gemerkt, dass die Gläubigen sich schon entferntgehabt, als der Abbe auf sie zugetreten sei und sie gebetenhabe in die Sakristei zu kommen, sie wollten miteinandernach Spanien entfliehen. Sie habe widerstanden, der Priesteraber habe, um sie zu rühren, sich zwei Stiche mit einem Dolchbeigebracht. Darauf sei sie in Ohnmacht gefallen; habe nachdem Erwachen gefühlt, dass sie gemissbraucht worden, derPriester habe ihr zu Füsseu gelegen, um Verzeihung gebetenund sich nochmals gestochen — worauf wiederum Nothzuchterfolgt sei. Später hätte die Köchin sie in ein Kloster ge-führt, wo die Schwestern sie bei einem Priester die ganzeNacht lang gelassen hätten. Die Angeklagten erschienen vorden Geschwornen. Da die Denunziationen zu lächerlich waren,so wurde das Mädchen ihrerseits angeklagt, bestand aber aufihren Aussagen und zeigte Verse und Liebesbriefe des Priestersvor, die man jedoch als ihr Machwerk erkannte. Eine ärzt-liche Untersuchung, die freilich dem g_anzen Verfahren hättevorausgehen müssen, wies den jungfräulichen Zustand und»die Hysterie des Mädchens nach, als Motiv — Eifersucht aufdie Köchin, die sie von jenem Priester bevorzugt wähnte.(Legrand.)
General D: M. hatte eine 16 Jahre alte Tochter, NamensMarie. Eines Tages beklagte sich dieselbe über seinen Ad-jutanten, der als ihr Nachbar bei Tafel unziemliche Redengegen sie geführt habe. Von da ab regnete es Briefe imHause, Liebesbriefe für die,Mutter, Drohbriefe für die Tochter.Ein Brief von derselben Hand kam an einen anderen Offizier,worin von dem Verhältniss des Adjutanten zu dem Mädchen