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2 (1890)
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205
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Fünftes Kapitel. Der Alkoholiker als Verbrecher. 205

26. Monomanie. Bei Einigen bleibt jedoch eineversteckte und deutliche Spur vom Delirium, und es ist dannwirklich alkoboliscbe Melancholie oder Monomanie vorhanden. 1

Motet hatte einen gewissen Michel zu begutachten, einenstillen Pharmaceuten, der, durch Trunksucht heruntergekommen,sich in den Kopf setzte, Priester werden zu wollen, und daihm das nicht gelang, doch den Priesterrock trug, den erdurch seinen Wandel entehrte, indem er an den Thüren derKlöster Lärm schlug, um eingelassen zu werden. VerschiedeneGefangnissstrafen brachten ihn davon nicht ab. Jeden Morgenfand man ihn in der Zelle auf den Knien; er erhob sich dann,überzeugt von seiner hohen Mission, von seinem grossentheologischen Werk, zu dem er sich mit Gebeten vorbereitete,und wehe dem, der ihn nicht für einen Priester hielt.

Da es viele Ungläubige in diesem Punkte giebt, so willich ein anderes Beispiel aus meiner Praxis hier mittheilen.

Angela Christiani, 43 Jahre alt, ans Pavia, ist die Tochtereines bizarren Menschen, der nach Amerika flüchtete; eineSchwester war eine Dirne, ein Bruder trunksüchtig und stahlzuletzt. Sie selbst war sehr intelligent, betrank sich aberderartig, dass sie öffentlichen Skandal erregte, indem sie nacktauf den Strassen erschien und nach zwei Anfällen vonDilirium tremens in die Irrenanstalt geschickt wurde.Hochgewachsen, bei ausdrucksvoller, vornehmer Gesichtsbildung,gebogener Nase, schöner Kopfform, kahlköpfig, mit Spurenvon Kinnbart, zeigte sie einen voluminösen Kropf. Sie klagteüber stechendes Gefühl am Kopf und im Epigastrium, hatteErbrechen und starken Speichelfluss, Zittern der Gliedmassen,besonders rechterseits. Ihre Eltern hasste sie, weil sie schuldseien an ihrer Kahlköpfigkeit, ihren Schmerzen und demSpeichelfluss; sie meinte, es komme aus Neid gegen sie, weilsie Napoleons Schwester sei, wofür sie einen Bew r eis darinfand, dass ihr Bruder Ludwig hiess. Ihr Name Christianirühre daher, dass ihre Mutter Marie Louise, um die natürliche

1 Nach Schule, Krafft-Ebijtg nimmt die Melancholie der Trinkerdie Form von Stupor an.