Fünftes Kapitel. Der Alkoholiker als Verbrecher. 191
hatte. In der Meinung sie getroffen zu haben, schoss er dieübrigen 4 Kugeln auf sich selbst ab. — Im Gefängniss wurdeer wieder ordentlich und fleissig.
0. sann darauf, sich wegen vermeintlicher und wahrerBeleidigungen an einem seiner Feinde zu rächen. EinesMorgens, da er mehr als gewöhnlich getrunken, verkaufte er— der vorher sehr ehrlich war — Schmucksachen, die seinemHerrn gehörten, kaufte mit dem erlösten Gelde einen Revolverund gab 3 Schüsse auf seinen Feind ab, ohne ihn zu treffen,wobei er ihm all sein Unrecht vorwarf und behauptete, er habeihm nur Furcht machen wollen.
Padrona,' 41 Jahre alt, aus einer neuropathischen Familie,hatte von Jugend auf ein sehr reizbares Temperament gezeigt.In wenigen Jahren hatte er sich verschiedenen Gewerben zu-gewendet, in Toulon auch ein Lyceum besucht; einmal war ermit einer Geliebten davongegangen; schliesslich heirathete ereine Verlassene, wurde bald eifersüchtig, hatte.jedoch von ihrzwei Kinder, die er sehr liebte. Nach und nach wurde ervon Verfolgungswahn befallen. Wenn er im Kaffeehause war,glaubte er, es verfolge ihn Jemand, und gerieth dadurch oft-mals in Händel. Es wurde so arg, dass ihn auf der StrasseJemand nur zu streifen brauchte, so wurde er wüthend. Währendeines Wochenbettes seiner Frau und Erkrankung der Kinderergab er sich dem Trünke, um die traurigen Gedanken zuverscheuchen, die dadurch nur noch stärker wurden. Hallu-cinationen und Wahnideen mit Selbstmordgedanken traten ein.Einmal glaubte er auf der Strasse, alle Leute nennten ihnPranzini und wendeten sich mit Ekel von ihm ah. Da dieserGedanke sich hartnäckig wiederholte, so versuchte er zumehreren Malen Selbstmord und endlich führte er ihn zur Er-mordung seiner Frau.
0. erzählt letzteren Vorfall folgendermaassen: „Es war11 Uhr, ich trat auf den Balkon hinaus, um eine Oigarre zurauchen. Da hörte ich wie gewöhnlich Pranzini rufen. Ich
1 Motet, Alcoholistcs meurtricrs (in Annal. d'kygiene publ.etc. 1888).