156 Zweiter Theil. Der irre Verbrecher.
Man sieht das vor allem bei Diebstählen und Körper-verletzungen zu Liebeszwecken. Die Betreffenden stehlenGegenstände von Frauen, um sich durch ihre Berührung denwollüstigen Genuss des Onanirens zu verschaffen. Sie finden' denselben schon, wenn sie Wäsche im Winde flattern sehen,sie erklettern und erbrechen Wohnungen, um nichts als einpaar elende Servietten zu erhaschen. — Andere (Mace, Unjoli monde, Paris 1885) schneiden in derselben Absicht Zipfelvon den Kleidern vornehmer Damen ab und legen sich eine. sorgfältig etikettirte und mit Beschreibung des jedesmaligenVergnügens versehene Sammlung davon an.
Bekannt (Lombkoso, Amore nei paszi) ist der Schuhdieb,der im Alter A r on 14 Jahren anfing und sogar seine Schwesternbestahl und im Alter von 35 Jahren 300 Schübe zusammen-gestohlen hatte. Wie ein Huud stöberte er nach weiblichenKleidungsstücken umher; schon das Suchen danach machteihm Vergnügen und verursachte Samenerguss. Die gestohlenenSachen verkaufte er nicht, sondern bewahrte sie auf undonanirte damit.
Derartige Leute sind nicht als Kleptomane, sondern mitdem Namen Erotomane, zu bezeichnen; denn nicht auf denDiebstahl, sondern auf die Liebeswuth ist der Accent zu legen.
ISioch trauriger und befremdender ist die Körperverletzungund der Mord zwecks, und mittelst der Wollust. Einfacherist der von Mace beobachtete Fall, wo nicht das Weib selbst,sondern nur sein Haar die Hauptsache Avar, indem die Diebeim Gedränge eine Strähle, oder wenigstens eins der Löckchenabschnitten, um es zu küssen, zu belecken, zu etikettiren undsich damit zu masturbiren. Es ist aber das Bindeglied zuden entsetzlichen Lustmorden.
Bei Kratjss (Die Psychologie des Verbrechens, Tübingen1884) finden sich folgende hierher gehörige Fälle.
1. Bertle, von normalem Aussehen, mit schwarzem Bart-und Haupthaar, war mit Ausnahme einer leichten Spermatorrhoegesund. Von seinem 18.—37. Jahre machte er sich in 50 Fällender Körperverletzung aus Liebeswuth schuldig. Er hatte sichvon Frauen immer fern gehalten, bis er bei Gelegenheit der