Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
112
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112 Zweiter Theil. Der irre Verbrecher.

Mutter erblich beanlagt, dolichokephal und schielte. Sie hatteVisionen (sah 2 Männer), Kopfschmerzen, Erinnerungslücken,unterbrochenen Schlaf, dabei religiösen Sinn und normalen Ver-stand. Sie hatte nie zuvor eine Feuersbrunst mit angesehen.Sie leugnet nachdrücklich ihre Schuld, schreibt dem Pfarrereinen anonymen Brief, worin sie ihm mit Brandstiftung, Todund Diebstahl droht, einen desgleichen an ihren Vater, worinder Verdacht auf den Mann gelenkt wird, den sie in ihrenHallucinationen sieht. Zur Erklärung dieser Erscheinungennahm man verschiedene Ursachen an, Epilepsie, Pubertät, erb-liche Anlage,- schwache Konstitution. Bei näherer Beobachtungsah man die Menstruation eintreten und erschien diese als diewahre Ursache. Man that das Mädchen in die Irrenanstalt.

Ein anderer Fall ist der folgende. Im Jahre 1860 wurdedas Land Gr. von 6 Feuersbrünsten binnen 4 Wochen heim-gesucht, ohne dass man den Thäter entdecken konnte. Hütten,Herbergen, Häuser und Paläste Avurden in Asche gelegt. Endlichsah man einen Menschen von einer Brandstätte fliehen undmachte ihn fest. Es war ein gewisser E., 26 Jahre alt. einruhiger, nüchterner Mensch. Anfangs leugnete er, dann be-hauptete er, den Brand zufällig durch eine Oigarre veranlasstzu haben, endlich gestand er, dass er bei Heimkehr aus derSchenke den Einfall bekommen habe, Feuer im nächsten Dorfeanzulegen, und als es ausging, ein anderes anzulegen. 5 Tagedanach sei er, nachdem er Bier getrunken, auf denselben Ge-danken gerathen und habe 5 alte Hütten angesteckt. In keinemder Fälle habe ihn Bache oder Gewinnsucht verleitet, er habees im Gegentheil in einem Falle gethan, weil er gewusst,dass das Haus versichert, ein anderes Mal, weil das Haus altgewesen sei. Es sei immer nach Alkoholgenuss geschehen under habe einen unwiderstehlichen Antrieb dazu gefühlt, das letzteMal aber wie im Traume. Warum er es gethan, wisse ernicht. (Ibid. pag. 647.)

Nicht alle Fälle zwar stimmen mit den von Makc undMabandon aufgestellten Typen überein, aber der Umstand, dasssie anders geartet sind, beweist doch nicht, dass die Sachenicht existire, vielmehr beweist es die Mannigfaltigkeit der-