108 Zweiter Theil. Der irre Verbrecher.-
der "Wunsch, zu tödten lebhafter, wiederholt sich oft und wirddurch den Kranken bekämpft. Bei noch anderen ist der An-trieb nocb energischer, und es entsteht so ein innerer Kampf,der den Kranken beunruhigt und ihn in die schrecklichsteAngst versetzt. Endlich giebt es einige, bei denen der Antriebso beftig ist und so augenblicklich entsteht, dass gar keinKampf stattfindet und die Handlung unmittelbar erfolgt. DieseAufregung und Angst, dieser Kampf ist um so beftiger, jegrösser die Intelligenz und Empfindung des Kranken nocb ist.
Häufiger als die Aerzte es glauben, ist das Gemüthslebender Geisteskranken verändert, oder gar ganz aufgehoben. Diesittenreinsten Menschen, die, welche den besten Charakter, diebesten Sitten, die geregeltste Aufführung batten, gestandenmir, dass sie während des Deliriums, und besonders im An-fange der Krankheit, von der Idee, Jemanden morden zumüssen, gequält worden sein. Dieser schreckliche Trieb wurdeweder durch Hass, noch durch Zorn, wie bei Wüthenden,hervorgerufen, sondern er entstand spontan, ist dem gewöhn-lichen Delirium fremd und wird weder von aussen her, nochdurch Suggestion, nocb durcb Handlungen hervorgebracbt.
Ein alter Richter hat mir selber versichert, er könnedurch nichts' bewogen werden, einer Sitzung des Kriminal-gerichts beizuwohnen, seitdem er einen Anfall von Geistes-störung gehabt.
Die Mordmonomanie verschont kein Alter, selbstKinder von 8—10 Jahren sind davon nicbt ausgenommen.Gewöhnlicb tritt sie periodisch auf, und dem Paroxysmusgehen Symptome voraus, die eine allgemeine Aufregungandeuten. Die Kranken klagen über Kolikschmerzen, habenBrennen in den Eingeweiden, Hitze in der Brust, Kopf-schmerzen, sie leiden an Schlaflosigkeit, das Gesicht wird rotboder sebr bleich, die Haut ist braun, der Puls hart, voll; derganze Körper zittert. Gewöhnlich begeht der Kranke seine That,ohne dass man durcb irgend eine äussere Handlung dieselbevorhersehen konnte. Ist die Handlung vollbracht, so scheintder Anfall beendet, und die Kranken fühlen sieb von ihrergrossen Aufregung und Angst, die ihnen sehr peinlich war,