Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
93
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Drittes Kapitel. Psychologie. Aehnlichkeit der Beweggründe. 93

durch, nicht entmuthigt, stellte er sich nach einiger Zeit krankund versetzte dem Wärter, der an sein Bett trat, mit einemKruge einen derartigen Schlag auf den Kopf, dass er ihntödtete. Darauf zog er die Kleider des "Wärters an, lief durchdie Korridore, öffnete die Thüren und entwich; er wurdeindes wieder eingefangen, für geisteskrank erklärt und nichtverurtheilt. Derselbe erzählte auch im PennsylvanischenGrefängniss, auf welche Weise er seinen Vater umgebracht undes so eingerichtet habe, dass ihm das Gericht nichts anhabenkonnte, sondern ihn als unschuldig entlassen musste. Er warbei Nacht zu Pferde geflohen, hatte sich durchs Fenster ineine Kammer geschlichen, wo er sich schlafend stellte, hatte dieGelegenheit erpasst, seinen Vater zu erdrosseln und war auf dem-selben Wege, den er gekommen, zurückgekehrt, so dass er seinAlibi mit Nachdruck beweisen konnte. (Maudsley.)

R. .hasste die Familie seiner Frau. Da er erfahren hatte,dass sie einen Ausflug in die Umgegend von Paris machenwollten, verkleidete er sich als Kutscher, miethete einen Wagenund fuhr vor der Thür der verhassten Familie vor, in schlauerBerechnung, dass diese sich seiner bedienen werde. Das ge-schah auch, er wurde nicht erkannt, er fuhr und versuchte,als er an das Seineufer gekommen war, den AVagen umzuwerfenund hinabzustürzen. Man führte ihn als Verrückten nach Bicetre.

J. N. Georges war der Sohn einer schwachsinnigen Mutterund eines Säufers. Auch er selbst war Säufer, excentrisch undzornmüthig. Auf Grund einer Wette hatte er ein ganzes Jahrlang nicht getrunken, dann aber wieder damit angefangen undallerlei Seltsamkeiten begangen. Eines Tages kam er stärkerbetrunken als gewöhnlich nach Hause, häufte auf seine Frau,die ihm Vorwürfe machte, Schimpfreden, drohte sie todtzu-schlagen. Sie floh aus dem Hause, er verfolgte sie bis zu seinerSchwester. Als er sah, dass er sie nicht erreichen konnte,änderte er sein Betragen und wurde ruhig. Mit kläglicherStimme und unter Vorwänden bewog er die Schwester herunterzu kommen. Sofort überfiel er sie, schlug sie nieder und be-drohte Jeden, der sie vertheidigen wollte. Dann lief er davon,begab sich zu seinem Bruder und erzählte, er sei überfallen