42 Erster Theil. Verbrechen aus Leidenschaft.
Brieeres Untersuchungen zufolge entfallen auf letztereunter 360 Fällen
117 auf Liebesgram, ohne anderen Grund.
88 „ Verlassen des Geliebten.
58 „ gelöste Ehen oder vereitelte Heirath.
54 „ Eifersucht.
16 ., den Tod des geliebten Gegenstandes.
11 ,, erzwungene Trennung.
11 ,, Streit und Zank.
5 „ Heirath geliebter Personen.
Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, dass dasstarke Geschlecht in diesem Punkte sich unterordnet. Dennwährend im ganzen die Zahl der Selbstmörder die der Selbst-mörderinnen um das Vier- bis Fünffache übertrifft, so erreichtsie im Punkte der Liebe nur die Hälfte, oft sogar nur einViertel. Es ist das ganz natürlich, wenn man bedenkt, dassdie Liebe — wie Frau von Stabl sagt — für den Mannnur einen beiläufigen Lebensabschnitt, für die arme Frau da-gegen ein weit ernsteres Ereigniss, ja die ganze Geschichteihres Lebens bildet.
Tiefere Wurzeln schlägt beim Manne die Freundschaft,die für das schöne Geschlecht fast nichts als eine leere Um-gangsform ist. Von nicht wenigen Männern . ist es bekannt,dass sie sich tödteten, um den Tod des Freundes nicht zuüberleben, so von T. Volumnius, 1 Petronius, - oder um denFreund nicht zu verrathen, wie Strozzi, oder um ihm nur zugefallen, wie Antinous.
So findet sich denn auch in den hinterlassenen Briefenvon Selbstmördern oft ein Gedenken der Freunde, nicht aberin den Schriftstücken der Selbstmörderinnen. (Bbieere, 1. c.)
Merkwürdig ist ferner, dass 50 verheirathete Männer sichtödteten, weil sie von ihren Frauen verlassen worden und 41,weil ihre Frauen gestorben waren, während nur 14 verlasseneFrauen und 14 um des Todes ihrer Männer willen sich um-brachten. Es erinnert das an einen Ausspruch Dantes,
1 Freund des Lucullus.
2 Freund des P. Caelius.