Zweites Kapitel. Selbstmord in Leidenschaft und Irrsinn. 41
ist schrecklich! — Glaube nicht, dass ich das Leben ohneBedauern verlasse, aber icb hatte zu viele Schulden, so vielerBedrängniss konnte ich. nicht widerstehen. Ich habe im Spielzu grosse Summen verloren und es blieb mir nichts übrig,als mich todtzuschiessen. Ich hatte das letzte Rettungsmittelversucht; ich war nach Paris gekommen mit 800 Francs undin der Hoffnung durch das Spiel reich zu werden; ich habealles verloren. Wenn du wüsstest, lieber Bruder, welchenSchrecken ich empfand bei der Berührung dieses kalten Mord-gewehres, das meinem Leben ein Ende machen sollte. ..."
Bei Manchen ist die Liebe zum Gelde so ausgeprägt,dass der geringste Vermögensverlust Ursache zum Selbstmordwird. Eine geizige Alte, die sich das Nothwendigste versagte,erhing sich vor Verdruss über den Verlust von 30 Sous. Rentiers,die nur Staatspapiere besassen, überlebten die Vorstellungvon ihrem Ruine nicht, als die Baisse eintrat und sie ihrVermögen zu verlieren befürchten mussten. Zu jener Zeit,es war unter König Louis Philippe, schrieb einer derselben:„Ich habe eine entsetzliche Furcht davor, in Armuth leben zu 'müssen. Seit 15 Jahren kämpfe ich mit einer schwachen Ge-sundheit, es wäre mir unmöglich zu arbeiten, und die Furcht,meinen Bedürfnissen bei dem Niedergang der Rente nichtmehr genügen zu können, treibt mich in den Tod." 1
Einer brachte sich aus Arbeitsscheu um und weil er, ohneArbeit, nichts zu leben hatte. Meistens handelt es sich umIndividuen, die bald dieses, bald jenes Gewerbe betreiben, um, Soldaten, Hausdiener, Deserteure u. s. w. Einer derselbenschreibt, er ziehe den Tod dem Ekel vor der Werkstatt vor.5. Liebe. — Nicht geringer als der Einfiuss der Noth,ja sogar oft noch stärker ist der Einfiuss der Liebe auf dieZahl der Selbstmorde.
1 Aus eigener Erfahrung fügt Uebersetzer noch einige Beispielehinzu. 1. Herr M., südrussischer Grossgrundbesitzer und Millionär,erhing sich im Jahre 1856, als die Heuernte schlecht ausfiel. Frau N—n,wohlhabende Besitzerin eines hübschen Gutes in Norddeutschland, des-gleichen, weil sie bei der Umlage ihrer Ackerstücke (Separation) zukurz gekommen zu sein vermeinte.