Zweites Kapitel. Selbstmord in Leidenschaft und Irrsinn 29
Rechnung zieht und vergleicht. Noch schlimmer steht es umdie internationalen Berichte, in denen die Abweichungen grössersind und deren Erklärung weniger leicht gelingt.
Untersucht man die Angaben über die Ursachen zumSelbstmord, 1 so findet man, dass die „unbekannte Ursache"ein Drittel aller Fälle ausmacht; das Verbältniss schwanktjedoch bei den verschiedenen Nationen, wie aus folgenderUebersicht hervorgeht:
Norwegen (1866—70)... 51,50% Italien (1866—75)... 26,67%
Spanien (1884) ......... 45,00 % Sachsen (1875—78). 24,00 %
Belgien (in 2428 Fällen) 26,65% Preussen (1869—77). 18,10%Frankreich (1873—78)... 6,83%.
Zieht man von dieser Summe die Zahl der Selbstmordeab, welche Geisteskrankheit und Trunksucht zur Ursache haben,— die zusammen gerade die Hälfte der bekannten Ursachenausmachen —, ferner für Italien die 13,9 % von Pellagra,und weiter Vio ungefähr für anderweitige Krankheiten undendlich 1 /u für Furcht vor Strafe, so bleibt für die Selbst-morde aus Leidenschaft mit ziemlicher Sicherheit ungefähr1 /i übrig, — abgesehen von den Schwankungen, die bei denverschiedenen Nationen stattfinden und zwischen 45,54 %(Italien) und 24,18 % (Belgien) sich bewegen. (S. Tabelle JL.)
Das Verbältniss des Geschlechtes zu den verschiedenenUrsachen des Selbstmordes betreffend findet sich, dass „Greistes-krankheit" bei den Frauen aller Nationen in erster Reihesteht, mit Ausnahme Spaniens, ebenso „andere Krank-heiten", ausgenommen in Baden, Belgien und Frankreich.„Trunksucht" ist die häufigste Ursache zum Selbstmordbei Männern, ferner „Furcht vor Strafe", ausgenommenin Schweden und Preussen.
Auch „Selbstmord aus Leidenschaft" ist vorzugs-weise Sache der Männer, nur in Spanien nicht, avo die Weiber
1 Moesblli, 11 suicidio, Milano, Dumolard 1879. — A. Legott, Lesuicide ariden et moderne, Paris 1881. — V. Rossi, II suicidio in Ispagna(in ArcJi. di Psichiatr. Vol VII. fasc. II.) — L. W. Likascheff -Russland(ibid. Vol. IV.)