Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
28
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28 Erster Theil. Verbrechen,aus Leidenschaft.

sein indes widersprechenden Gesichtspunkt aus als Verbrechenaufzufassen, so könnte man ihn nur unter den Verbrechen ausLeidenschaft unterbringen, insoweit er nicht von Trunksucht,verbrecherischer Nothlage, von Krankheiten, namentlich vonGeistesstörung abhängig ist, welche letztere, wie wir sahenund später noch sehen werden, in unlöslicher Verbindung mitheftiger Leidenschaft verknüpft ist.

Es lässt sich gleichwohl nicht leicht feststellen, inwelchem Verhältuiss die Selbstmorde aus heftiger Leidenschaftden anderen, auf individuellen Beweggründen beruhenden, gegen-überstehen.

Man darf nicht vergessen, dass die Statistik, vor allemdie amtliche Statistik, bei der Aufzählung dieser Ursachen zugrossen Schwierigkeiten begegnet, als dass sie volle Sicherheitbieten könnte. Die strenge Anwendung der statistischen. Me-thode wird nicht in allen Staaten mit gleichmässiger Sorgfaltgehandhabt. Die verschiedenen Nationalitäten bemühen sichnicht mit gleichem Eifer, die wissenswerthen Angaben zumachen. Zum Beweise dafür dient die Zahl der unbekanntenUrsachen, die in Frankreich auf 6,83, in Norwegen auf 51,5%sich beläuft. Dazu kommt, dass sich die aus dem subjektivenBelieben des bureaükratischen Beamten entstehende Fehler-quelle bei der Klassifikation der einzelnen Fälle nicht aus-schalten lässt. So wird z. B. ein Selbstmord, der von demEinen unter die Rubrikunglückliche Liebe" gebracht wird,von dem Andern unterLebensüberdruss" oderhäuslicheUnbilden", oder, was noch schlimmer ist, von einem derben undlebensfreudigeren Beobachter unterGeistesstörung" aufgeführt.

Ferner kommt dazu die grosse Zahl derunbekanntenUrsachen" und die Ungleichheit der Verhältnisszahlen je nachder Genügsamkeit oder Umsicht der Beobachter, wodurchnicht bloss die Prozentsätze für die Aetiologie andere werden,sondern auch eine vergleichende Betrachtung' sich gar nichtermöglichen lässt, wenn man nicht in grosse Irrthümer ver-fallen will. Dem lässt sich nur dadurch ausweichen, dassman bloss die Z a blen der bekannten Ursachen mit ihrer undnicht mit der Gesamtsumme der Selbstmorde überhaupt in