Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
8
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8 Erster Theil. Verbrechen aus Leidenschaft.

Locatelli schildert den Zustand eines Andern kurz nachdessen Verhaftung: Der Schauder vor dem vergossenen Blut,vielleicht auch die Furcht vor der Strafe hatten sich seiner indem Maasse bemächtigt, dass er immerfort leugnete, ohne zuwissen, was er sprach; gurgelnd stiess er abgebrochene "Worteaus; Gesicht und Augen waren blutunterlaufen; er zittertevom Kopf bis zu den Füssen und machte so heftige Hand-bewegungen, dass die Aufseher fürchteten, er werde sich aufmich stürzen, wie er vorher auf seine Gegner sich gestürzthatte. Viele würden diesen Menschen vermuthlich für einenMörder halten, der mit Vorbedacht gehandelt, was nicht derFall ist. Vor dem Gerichtshofe gestand er alles, nachdemer sich beruhigt hatte.

Nicht viel anders schildert Berti den Zustand Milanisvor und nach dem Morde. Kaum hatte er seinen Neben-buhler getödtet, als er nach einem Messer griff und sich selbsttödten wollte; als man ihm die Waffe entriss, griff er nacheiner andern und wiederholte den Versuch; als man ihn auch, daran hinderte und festhielt, so rief er, er werde die ersteGelegenheit, da er frei sein werde, benutzen und sich ertränken.Nach vergeblichen Anstrengungen sich frei zu machen, fiel ererschöpft zu Boden und blieb so, bis die Polizeibeamten an-kamen. Kaum erblickte er sie, als er ihnen entgegengingund sagte, er habe sie erwartet, fing dann an bitterlich zuweinen, verlangte seine Kinder zu umarmen, küsste sie leiden-schaftlich und stellte sich jenen zur Verfügung. Während derUeberführung in das Gefängniss fragte er, ob Pavanellotodt sei. Um ihn nicht zu erschrecken, antwortete man ihm,dass es nicht der Fall sei. Da er aber an dem Kaffeehause vorüberkam und dasselbe geschlossen sah, rief er:Er istdoch todt", blieb wie versteinert stehen und die Beamtenmussten ihn unter die Arme fassen und zum Gefängniss mehrschleppen, als führen. [Pazzia omieidio S. 222.) DieNacht vor der That war M. trostlos gewesen. Die Dienst-magd Gagiotto, die in einer Kammer nebenan schlief, hatteihn beständig weinen und jammern gehört; sein Gesicht war,nach ihrer Aussage, verstört, die Augen drangen aus den