528 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbrechers.
musste. Derselbe erzählte von dem Marquis de 8., er habeein Freudenmädchen durch seine Leute binden lassen und ihrenKörper, besonders die Gegend um die Genitalien herum, derartmit Wunden bedeckt, das die Dirne in Ohnmacht fiel, woraufer sie nothziichtigte.
Ein gewisser IL, den der Advokat Oarrara vor Gerichtvertheidigte, hatte eine Frau, die aus der Kirche kam, anhellem Tage und coram populo auf offenem Markte umgeworfenund genothzüchtigt. Er wurde freigelassen und seinem Vaterzur Aufsicht übergeben. Im nächsten Jahre um dieselbe Zeitschnitt er einer Katze den Kopf ab und warf sie in eine Brat-pfanne. Er wurde auf einige Tage eingesperrt, dann wiederfreigelassen. Im nächstfolgenden Jahre wieder um jene Zeithatte er einen kurzen Anfall von Delirium, begab sich daraufnach Corsica, wo er nach einem Jahre wegen Nothzucht undMord verurtheilt wurde.
Alle diese Unglücklichen wurden als Verbrecher bestraft. —Wer erkennt aber wohl nicht, dass in ihrem Gehirn Verbrechenmit impulsiver Form von Moral insanity und larvirter Epilepsiedurcheinander liefen?
4. Freie Willensbestimmung. — Verständigen wiruns aber doch. Ich will nicht behaupten, dass im Normal-zustande der Wille, im Sinne der Metaphysiker, frei sei,aber ich sage, die Handlungsweise ist hier durch Beweggründeund Wünsche bedingt, die dem Gemeinwohl nicht zuwiderlaufen.
Die bösen Triebe werden nämlich, wenn sie sich Luftmachen, gezügelt von Ruhmbegier, Furcht vor Strafe undSchande, von der Kirche, oder atich durch ererbte und nochmehr mittelst unausgesetzter geistiger Gymnastik gekräftigtegute Sitte. Alles das jedoch vermag nichts über den moralischIrrsinnigen und den geborenen Verbrecher — und das ist es,warum die Letzteren immer wieder rückfällig werden.