Druckschrift 
1 (1894)
Entstehung
Seite
525
Einzelbild herunterladen
 

Fünfzehntes Kapitel. Die Widerstandsunfähigkeit. 525

unruhig, der Appetit vergeht mir, ich schlafe nicht mehr;dann trinke ich, und dann kommt mir wieder die Lust zustehlen. Ich weiss wohl, dass ich über das verdammte Lasternicht Herr werde; und ich bin sicher, wäre ich reich, so würdeich wieder trinken und fortleben wie jetzt. Dann könnte ichallerdings die Leute, die ich schädige, schadlos halten. Ichglaube, die Justiz thäte wohl daran und in meinem Interesse,mich im Gefängniss hier zu lassen und mir irgend eine Be-schäftigung anzuweisen. Da ich ehrlos bin, so ist es hier besserals draussen. Das Essen ist zwar nicht reichlich, aber esschmeckt mir; unter meinen beiden Decken und auf demStrohsack schlafe ich doch ruhig und bin gern allein. MeinHerz verlangt nach nichts, als nach Ruhe" u. s. w.

Wo ist nun der Unterschied zwischen der Sinnesart eineswirklichen Verbrechers und der eines moralisch Irrsinnigen,den sein Instinkt unwiderstehlich beherrscht?

P. hatte die Sucht, Grabmonumente, sogar die schwerstenSteine, zu entwenden. Er verjubelte den Ertrag seiner Dieb-stähle mit seinen Freunden, und er war es, der zuallererst dieAufmerksamkeit der Anderen auf seine Spur lenkte. Gleich-wohl hielt ihn Niemand für verrückt.

D. Vincent dAragon wurde Buchhändler, nachdem dieZünfte aufgehoben waren. Bücher von geringem Werthe ver-kaufte er ohne weiteres, von seltenen Büchern konnte er sichnicht trennen. Bei einer öffentlicheu Versteigerung hatte eingewisser Pas tot ein Buch erstanden, welches V. zu habenwünschte. Kurze Zeit darauf verbrannte Pastot mit seinemHause. Wenige Monate später fand man acht reiche Studenten,die Büchereinkäufe gemacht hatten, als Leichen auf demMarkte. D. Vincent wurde verhaftet. Man versprach, dieihm besonders werthen Werke nicht zu zerstreuen, sondernsie der Bibliothek in Barcelona einzuverleiben. Darauf ent-schloss er sich zu nachstehendem Geständniss. Er habe sichbei Pastot unter dem Vorwande eingeführt, ihm das Buchzu überlassen, habe dasselbe an sich genommen, den Eigen-thümer ermordet und das Haus angezündet. Ferner: ein Pfarrerhabe eine sehr werthvolle Inkunabel von ihm kaufen wollen,