524 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbrechers.
die Zahl der Stockschläge, die er bekommen würde,, im vorausgewusst und doch wieder angefangen. 1
3. Beispiele. — In gewissen Fällen tritt das Verfahrenbei der Ausführung einer verbrecherischen Handlung völligunter der Form und mit der Hartnäckigkeit impulsiver Manieauf. — Hierfür einige Beispiele. — Ponticblli sah, wie einschwindsüchtiger, schon in Agonie liegender Dieb seinem Nach-barn ein schlechtes Paar Schuhe stahl und in seinem Bett ver-steckte. Im Mailänder Gefängniss wurde vor einigen Monatenein gutmüthiger Wärter, dem keiner der Gefangenen übelwollte, erschlagen. Der Mörder sagte aus, er habe weder ausHass, noch aus sonst einem Grunde die That verübt, aber erhätte Jemanden tödten müssen und würde auch den Direktorerschlagen haben, wenn er ihm in den Weg gekommen wäre.Er war ein gewöhnlicher Strauchdieb und der Sohn einesBanditen. — Eoliciani begegnete einem Händler, den ernach seinem Namen fragte, und auf die Antwort, er heisseWeiss, mit den Worten tödtete: Ich werde dich schwarzmachen. Und das ohne alle Veranlassung, bloss aus plötzlicherMordlust; ähnlich wie ein an Mania pellagrosa Leidender ausHass gegen die Kroaten einen Ourato (Pfarrer) umbrachte.
In der Rivista delle discipline carcerarie findet sich fol-gendes merkwürdige Geständniss eines gewissen Visconti:„Ich weiss, dass man mich für einen Erzgauner hält, dasbin ich aber nur, Aveil mir der Muth zum Morden fehlt.Ich fing 1861 mit einer kleinen Betrügerei an und ging sovorwärts auf dem bösen Wege; je schärfer die Strafen wurden,desto schwieriger ward es, Arbeit zu finden. Ich betrankmich und befand mich dabei wohler, denn ich vergass meinElend dabei. Nun ging ich auf gut Glück und nahm, wasich gerade fand, ohne alle Vorsicht, denn ich wollte dabeigefasst werden. Das ist denn nun auch geschehen. Sonsthätte ich weiter gestohlen und werde stehlen, wenn ich freibin. Im Augenblick, wenn ich einen Diebstahl begehe, machtes mir grosses Vergnügen; ist das aber vorüber, so werde ich
1 Lauvergne: Les forgats, S. 358.