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1 (1894)
Entstehung
Seite
519
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Vierzehntes Kapitel. Epileptoide Verbrecher. 519

Sittlichkeit, der zuletzt erscheint und zuerst wieder schwindet,sobald das Leiden eintritt.

Dass Atavismus bei den Epileptischen mehr als bei allenanderen Geisteskranken zur Geltung kommt, begreift sich leicht,wenn man die sonderbare Religiosität, den Kannibalismus unddie anderen, der Thierwelt entlehnten Charakterzüge jenerKranken ins Auge fasst.

Gowers 1 zählt die seltsamen Handlungen Epileptischerauf, wie sie Menschenfleisch verzehren, Blut trinken, lebendeThiere mit Haut und Haaren verschlingen, bellen, beissen,miauen u. s. w., und sagt dann:Man sollte meinen, es seiendas instinktartige Aeusserungen des Thierartigen, das verborgenin uns schlummert."

Dieses Zugeständniss eines Praktikers, der keine Ahnungvon unserer Theorie hat, ist höchst beachtenswerth.

Die Epilepsie, der Morbus primae infantiae, hat als solcheauch ihre Beziehung zu der Moral insanity der Kinder. Wirsehen, dass (nach Oividalli und Amadei) von 120 Epilepti-schen 78 schon in frühester Jugend an dieser Krankheit litten,wir fanden dieselbe Zu- oder Abneigung für Thiere, die Lustan Zerstörung lebloser Gegenstände bei Kindern wie bei mo-ralisch Irrsinnigen.

Dazu kommt: Gefühllosigkeit, Amnesie, Zornausbrüchebei den Einen wie bei den Anderen. a

21. Unterschiede. Obwohl das Verbrechen in seinenverschiedenen Abarten der gewöhnlichen Epilepsie nahe stehtund sich ähnelt, so unterscheiden sich doch die Verbrecher inmancher Hinsicht von den Epileptikern. Der Schädel derLetzteren enthält z. B. seltener Schaltknochen, auch die mikro-kephale Stirn kommt nicht so häufig vor.

Bei der Moral insanity sind darum nicht die Scheitel-,sondern die Stirnwindungen am meisten betroffen.

Der eigentlich Epileptische ist in der Regel kurzsichtiger,die meisten Verbrecher aber haben ein schärferes Gesicht als

1 Gotvers : Epilepsy. London 1880.

2 Pehez: Venfant de trois ä sept ans. Paris 1886.