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1 (1894)
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294
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294 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbrechers.

21. Lange Lebensdauer. — Jene Uneinpfindlichkeitfür Körperschmerz und die geringe G-efässreaktion geben unsAufschluss über die lange Lebensdauer der Verbrecher, diedoch eigentlich von Geburt an krank sind. Vergleicht mandie mittlere Lebensdauer der Gefangenen mit der der freienLeute, so ergiebt sich zwar, dass dieselbe bei Jenen geringerist als bei Diesen, und wenn man erwägt, wie gross die Zahlder verderblichen Einflüsse des Gefängnisslebens ist, so darfuns das nicht Wunder nehmen. Würde man beide Theile ingleiche Verhältnisse versetzen, so schlüge die Wage sofort zuGunsten der Verbrecher aus.

Denn wir finden in der That zahlreiche Beispiele vonlanger Lebensdauer bei Individuen, die viele Jahre hindurchin Gefängnissen schmachteten. So erzählt Casanova in seinenMemoiren, dass er in Gefängnissen Greise von sehr hohemAlter getroffen habe, z. B. einen gewissen Beguelo, der dasdoppelte Gewerbe eines Spiones und Mörders getrieben, imAlter von 44 Jahren eingesperrt, noch 33 Jahre in Gefangen-schaft verbracht habe.

Ueber Gasparone, der vor kurzem, 88 Jahre alt, inAbbiategrosso gestorben ist, sagt Masi (Mmnoires de Gasparone.1867) schon im Jahre 1866: Wie ist es möglich, dass er solange den Unbilden des Alters, der Wunden, Erschöpfungund des Gefängnisses widerstehen konnte? Nur durch seineCharakterstärke und durch die unerschütterliche Gemüthsruhe,welcher keine Leidenschaft etwas anhaben konnte."

Auch Settembrini erzählt in seinen Memoiren voneinem Neunundachtzigjährigen, der seit 32 Jahren im Zucht-hause von St. Stefano sass; ferner von einem Calabresen, der sichrühmte, 35 Menschen umgebracht zu haben, wegen Notbzucbtund Raub im Jahre 1802 verurtheilt worden war und 1825noch lebte; von einem Einundachtzigjährigen, der nebst seinem51 Jahre alten Sohne wegen Diebstahls und Ermordung desunglücklichen Procaocio verurtheilt worden; endlich von einemZweiundneunzigj ährigen, der, dürr und trocken, noch alle seineZähne, seine Geisteskräfte und einen ziemlichen Theil vonJugendkräft besass.