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1 (1894)
Entstehung
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293
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Zweites Kapitel. 293

kennen gelernt haben, dass die Verbrecher für gewisse physischeund psychische Schmerzen um so unempfindlicher sind, jeweniger sie es für gewisse andere Leidenschaften sind, z. B.für Hochmuth, Rache, Eitelkeit.

Wir sahen, wie die intelligenteren Verbrecher und dieSimulanten (n, m, 1, s) sehr scharf reagirten, besonderswenn man auf ihren Wahnsinn oder auf den Richter An-spielungen machte.

In dieser Beziehung haben wir im Plethismographen einesehr brauchbare diagnostische Handhabe zur Entdeckung vonSimulation.

20. Schlussfolgerung und Anwendung. — Ausallen diesen Thatsachen Hesse sich der Schluss ziehen, dassfast alle Arten von Sensibilität bei dem Verbrecher abge-schwächt und sogar schwächer bei dem Gelegenheitsver-brecher als bei normalen Menschen seien. Andererseits aberauch der Schluss, dass bei ihm wie bei Neuropathischen dieEmpfindlichkeit für Metalle, Magnet, atmosphärische Einflüsseund vielleicht auch für Gerüche erhöht seien. Die physischeGefühllosigkeit erinnert recht wohl an die der wilden Völker-stämme, die beim Eintritt in das Jünglingsalter Qualen zutrotzen haben, welchen man in der weissen Rasse erliegenwürde.

Alle Reisenden erzählen von dem Gleichmuth, mit welchemNeger und Rothhäute Schmerz ertragen. Jene schneiden sichunter Lachen eine Hand ab, um nicht arbeiten zu müssen;diese besingen noch am Marterpfahl den Ruhm ihres Stammes,während man sie bei langsamem Feuer schmort. Die jungenEingeborenen Amerikas unterwerfen sich bei ihrer Weihe zumManne ohne Klagelaute solchen Misshandlungen, die einenEuropäer tödten würden, wie z. B. wenn man sie mittelsteines Hakens, der ihr Fleisch zerreisst, an einem Balken in-mitten eines erstickenden Rauches, den Kopf nach unten, inihren Hütten aufhängt. Zu dieser Art von Unempfindlichkeitgehört auch das schmerzhafte Tättowiren, der Gebrauch, sichdie Finger, die Lippen abzuschneiden oder die Vorderzähne zumZeichen der Trauer bei Leichenbegängnissen einzuschlagen.