266 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbrechers.
ihrer Anhänglichkeit dadurch zu gehen, dass sie ihn an ihremLeibe tragen. Nach Ewald (Jüd. Älterthümer) haben auchdie Phönizier das Zeichen eines Gottes auf der Stirn einge-graben. Auf den Marshallinseln muss man bei den Götterndie Erlaubniss erbitten, sich zu tättowiren, und auf Neusee-land sind es die Priester, welche das Geschäft verrichten(Scherzer : Meise). Nach Lübbock glaubt man daselbst, dassdiejenige Frau, welche nicht das rechtgläubige Zeichen auf-weist, auch nicht der ewigen Seligkeit theilhaftig werden kann.Bei den britischen Frauen war es religiöser Brauch, sich zutättowiren.
Die Verehrer der syrischen Göttin (Lucian: De Dea Syra.1847, S. 346) puncturis se notant omnes. Die erstenChristen pflegten den Namen Jesu und das Kreuz, das auchjetzt noch verbreitetste Zeichen, auf die Arme und die Hand-fläche einzubrennen (Procop: Commenk). Bis 1688 war es,nach Thevenot, Brauch bei den Christen, dass sie sich nachBethlehem begaben, um sich im Sanktuarium tättowiren zulassen.
31 von 102 tättowirten Verbrechern trugen religiöse Ab-zeichen.
b) Ein zweiter Grund ist die Nachahmung. Einwackerer lombardischer Soldat, der, welcher die Sirene trug,sagte unter Lachen, als man ihm vorhielt, dass er Geld aus-gegeben, um sich den Arm entstellen zu lassen: „Sehen Sie,wir sind wie die Schafe; wir können nicht sehen, dass Eineretwas thut, ohne sogleich dasselbe zu machen, und wenn wiruns auch damit Schaden thun!" Ein merkwürdiger Belag fürden Einfluss der Nachahmung ist, dass oft eine ganze Kom-panie dasselbe Zeichen, z. B. ein Herz, führt.
c) Die Langeweile trägt auch das Ihrige dazu bei.Daher rührt die Massenhaftigkeit der Zeichnungen bei denLeber laufern, Gefangenen und Matrosen. 25 von 41 hattensich im Gefängniss tättowirt. Die Unthätigkeit ist eben un-leidlicher als der Schmerz.
d)^Noch grösser ist der Einfluss der Eitelkeit.Jedermann weiss, wie übermächtig diese Leidenschaft in allen