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1 (1894)
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260
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260 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbrechers.

ihres Geliebten tragen, den sie im Laufe der Zeit wohl 30 malmit Hülfe von Essigsäure umändern. Bei den lombardischenDirnen fand Dr. Soeesina jedoch keinen Fall und de Amicisin Neapel nur einige wenige Fälle bei Matrosendirnen aberbloss auf dem Arm. In Verona beobachtete man ebenfallseinige tättowirte Herzen und Initialen, indes nur bei solchenProstituirten, die aus Gefänguissen kamen.

Der klarste Beweis für die Verbreitung jener Sitte unterden Verbrechern vom Civil erhellt aus der Statistik. Denn diemi'tlere Zahl bei diesen ist 7 %, als Maximum 12 und Minimum6, also 7 mal grösser als beim Militär, wo notorisch das Tättowirenam stärksten betrieben wird. "Wollte man aber das Verhältnissder tättowirten Verbrecher zu der Gesamtbevölkerung finden,so würde man vielleicht zu unberechenbaren Zahlen gelangen.

Geht man auf das Detailstudium der verschiedenen Sym-bole ein, die von den Verbrechern beliebt werden, so siehtman nicht nur eine specielle Form häufig wiederkehren, sondernstösst auch bisweilen auf eigenthümliche Aeusserungen, die denheftigen, rachsüchtigen oder verzweifelten Gemüthszustand ver-rathen. So trug ein alter piemontesischer Matrose, der wegenBetruges und Mordes aus Rache verurtheilt war, auf der Mitteder Brust zwischen zwei Dolchen die Inschrift:Ich schwöremich zu rächen"; ein Venetianer Dieb im Rückfall auf derBrust die Worte:Weh mir, wie werde ich enden". Eserinnern diese traurigen Worte an die ebenso traurigen, welchePhilippe, der die Dirnen strangulirte, viele Jahre vor seinerVerurtheilung auf seinen rechten Arm gemalt hatte:N6 sousmauvaise etoile."

Man könnte sagen, der Verbrecher habe und schnitte insein eigenes Fleisch das Vorgefühl seines Endes.

Fieschi, der vor dem berüchtigten Mordversuch aufKönig Louis Philipp wegen Fälschung bestraft worden warund den Orden der Ehrenlegion verloren hatte, tättowirte denletzteren auf seine Brust und sagte:Den können sie mirglücklicherweise nicht rauben!" Eine seltsame Verquickungmoderner Eitelkeit und altertümlichster Sitte, als Zeicheneines verkehrten Sinnes und Urtheiles.