Erstes Kapitel. Untersuchung von 383 Verbrecherschädeln. 177
Auch die Behauptung ist nicht wahr, dass die Schädel-kapacität des "Wilden oder Farbigen eine höhere sei, sie ist inder Kegel eine geringere.
Die mittlere Schädelkapacität beträgt bei:
Europäern .................................. 1400—1500 ccm
Indern, Negern, Chinesen, Malayen............ 1300 „
Polynesiern, Hottentotten..................... 1200 „
Botokuden.................................. 1470—1385 „
Australiern nach Darwin ..................... 1295 „
„ QüATREFAGES ' ............... 1263 „
Andamanen 2 ................................ 1270 „
Negritos auf den Philippinen 8 ................. 1420 „
Buschmännern *.............................. 1330—1215 „
Mantbgazza fand an 3 neuseeländischen Schädeln dieZwischenkiefer erhalten, was bei den Säugethieren konstant derFall ist.
Die mittlere Hinterhauptsgrube wie so viele andere beiden Verbrechern vorfindlichen Anomalien ist an den Schädelnder Wilden häufig beobachtet worden, mit dem Unterschiede,dass sie bei der einen Rasse öfter als bei der anderen sich-vor-fand, ohne dass man daraus auf die niedere Bildung der einengegenüber der anderen einen Schluss ziehen konnte.
Viele prähistorische Schädel sind allerdings modernen ganzähnlich, aber der vorgeschichtliche Mensch braucht nicht immerein Wilder gewesen zu sein. Hat doch der Pfahlbauer einnicht viel anderes Leben geführt, als viele unserer Hirten esthun. Und doch finden sich bei ihm, insbesondere bei denHöhlenbewohnern, oft niedere Schädeltypen.
Der Neanderthalschädel zeichnet sich durch seineDicke und die enormen Brauenbogen vor den modernen Schä-deln aus. Das sind die Merkmale, wie Schaaffhausen sagt,durch welche sich die wilden Thiere, z. B. das wilde Pferd,der Höhlenbär, das Wildschwein von den zahmen Thierenderselben Basse unterscheiden. Jener Schädel zeigt zugleichSchiefheit des Occiput, geringe Kapacität (ca. 1230 ccm nach
1 i Quatrefages: L'Espeee humaine. 1880.
Lombroso, Der Verbrecher. I. 12