Erstes Kapitel. Untersuchung von 383 Verbrecherschädeln. 151
also mit niedrigem (dolichokephalem) Index. So hat der Schädeldes grausamen Mörders Oipolla einen Index von 72, der einesMörders Gasparone aus Turin von 71, bei Lacenaire fandich 76, bei Helouin 79, bei Hulbach 78, bei A.vril 72,bei Lemoine 73, bei Moreau 72. Die berüchtigten französi-schen Mörder sind demnach, Lecouffe ausgenommen, der einenIndex von 85 hat, sämtlich dolicho- oder doch mesokephal."Wiederum hatte die grausame Bouhors einen Index von 89 unddie aus Barkows Atlas bekannten Matzke, Flegel 86, 83.Bei den Dieben und Fälschern, namentlich bei Ersteren,scheint dagegen die Dolichokephalie vorzuherrschen.
Von 16 Dieben fanden wir 9 dolichokeph., 3 mesokeph., 4 brachyk.„ 4 Betrügern „ „ 2 „ . — „ 2 „
Zählt man die Mesokephalen, wie es Manche thun, zu denDolichokephalen, so hätten wir 12 von Letzteren unter 16 Dieben. 1
Dazu kommt, dass die Dolichokephalie bei einigen der-selben einen sehr hohen Grad, z. B. den Index von 70 beieinem Genuesen und von 68 bei einem Oalabresen, von 73 beieinem Gauner aus Pavia erreicht; am merkwürdigsten aber istein Index von 72 bei einem Piemontesen. — Die Sardinierinnengeben 70,9 anstatt 72,3 bei Normalen.
Gleichwohl darf man keinen anderen Schluss daraus ziehen,als den, dass der Volkstypus ungewöhnlich hervortritt, nichtaber, dass einer oder der andere Index für dieses oder jenesYerbrechen vorzugsweise bestimmend sei.
v. Lenhossek fand nur in 1 Falle unter 12 rumänischenund ungarischen Schädeln einen von dem Volkstypus abwei-chenden Index, nämlich hochgradige Brachykelaphie (s. Archiv,di Psichiatr. e Sciense penali. I.).
In Hegers schöner Arbeit findet sich als mittlerer Index
1 In Deutschland gelten gegenwärtig folgende Maassbestimmungen für
T .. Breiten-
ljan ° e durchmesset
Dolichokephalie___ 100 bis 75,0
Mesokephalie....... 100 von 75,1—79,0
Brachykephalie..... 100 „ 80,0—85,0
Hyperbrachykephalie (Rundschädel) „ 85,1 u. darüber.
J. Ranke: Der Mensch. I. 381. Leipzig 1886.)