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1 (1894)
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131
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Drittes Kapitel. Moralisches Irresein und Verbrechen bei Kindern. 131

ausserordentlich intelligent, zum Beweise dafür, dass eineAnomalie nicht jedesmal eine andere nach sich ziehen muss.

Doch die Seltenheit der psychischen Anomalien in jenerErziehungsanstalt widerspricht keineswegs unsern Beobachtungen.Da es sich um zahlende Zöglinge aus den wohlhabendenStänden handelte, so hatte hier aus gesellschaftlichen und päda-gogischen Gründen eine sorgfältige Auswahl stattgefunden, wiesie in anderen Lehranstalten und besonders in den Asylennicht platzgreift; bei der geringsten Unordnung werden dieZöglinge weggeschickt, und man zeigte uns das Porträt einesKnaben, der im vorigen Jahre wegen Diebstahls fortgeschicktwurde. Derselbe hatte all die oben beschriebenen Anomalien:grosse abstehende Ohren, Oxykephalie, kleine Stirn, stark vor-ragende Jochbögen.

Unsere weitere Untersuchung von 35 Blindgeborenen und50 Taubstummen ergab, dass alle jene körperlichen Anomalienim Verhältniss von mehr als 70 Procent bei ihnen vorkommen,auch wenn sie schon erwachsen oder einer Auswahl unter-worfen sind, Anomalien, die mit tiefer sittlicher Perversität,Egoismus und Grausamkeit zusammentreffen.

Aus diesen Untersuchungen dürfen wir folgern, dass jenesittliche Anomalie, welche beim Erwachsenen Verbrechen heisst,beim Kinde viel häufiger und zwar in Begleitung derselbenKennzeichen, besonders aber unter dem Einflüsse einer here-ditären Anlage vorkommt, dass sie aber später, zum Theil unterdem Einflüsse einer passenden Erziehung, entschieden ver-schwinden kann. Andernfalls wäre das seltenere Erscheinen ver-brecherischer Gesinnung unter den Erwachsenen unerklärlich;auch dann unerklärlich, wenn man die durch Sterblichkeit undStrafentziehung in Abgang kommenden Fälle berücksichtigt.

Die körperlichen Anomalien waren mehr als zweimal sohäufig, und die Frequenz der erblichen Belastung mehr alsdreimal so gross. Indessen steht es fest, dass sich beideFaktoren, wiewohl minder häufig, auch bei Kindern mit denbesten sittlichen Anlagen vorfinden können, und haben wirrecht oft vollkommen gute und anständige Kinder angetroffen,die von ruchlosen Eltern stammten; auch finden sich diese

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