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1 (1894)
Entstehung
Seite
89
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. 89

der Häuptlinge, da sie die Bussen zu bestimmen und aufzu-legen hatten.

Wenn die Entschädigung an Stelle der Blutrache einmaleingeführt war, so ergab sich naturgemäss die Nothwendigkeitdes Eingreifens einer Obrigkeit, die den Betrag zu bestimmenhatte, und die Ausdehnung dieses Systems auf alle andernVergehen, die sämtlich unter den Begriff einer materiellenBeschädigung fielen.

9. Häuptlinge.Die Vortheile, welche die Häuptlingeund die Priester von diesen in Geldbussen umgewandeltenStrafen hatten, trugen weiter zur Befestigung dieses Systemsbei. In Tibet kann der Reiche einen Mord dadurch sühnen,dass er dem Rajah, den hohen Beamten und der Familie desTodten eine Busse entrichtet.

In Uganda (Speke) konnte einer zum Tode verurtheiltwerden, wenn er in Gegenwart des Königs einen kleinen Ver-stoss gegen die Etikette begangen, etwa zufällig die Kleideroder den Thron des Königs berührt hatte. Hier haben wirden Einfluss der despotischen Gewalt, die, einmal eingeführt,zu Absurditäten führt. Doch ist nach Speke soviel sicher,dass viele von diesen Majestätsbeleidigungen von den Königen,wie wir später es bei den Cäsaren sehen werden, aus Finanz-gründen erfunden wurden.

Speke erzählt uns zum Beweis, dass ein Offizier, derkeinen eleganten Kopfschmuck bei Hofe trägt, deshalb denKopf verlieren kann, dass aber immer die Strafe in eineBusse an Ochsen, Hühnern und Messingdraht verwandeltwurde., In der Reisebeschreibung von Speke findet man nochein lehrreiches Beispiel einer Verwandlung von Todesstrafe ineine Busse am Vermögen. Ein Läufer Mtesas hatte sichallem Recht zuwider ein Tigerfell umgethan, eine Insignie derköniglichen Familie. Ein Offizier sagte darauf zu Speke :Wenn ich ihn anzeige, verliert er nichts weniger als denKopf." unter diesen Umständen war der Schuldige sehr froh,sich mit hundert Färsen loskaufen zu können.

10. Religion. Da die Religion immer dazu bereit ist,die überlieferten Gebräuche in ihren Dienst zu stellen und