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1 (1894)
Entstehung
Seite
75
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. 75

gut disciplinirt, haben von der Regierung anerkannte Häupt-linge, deren sie sich bedient, um manchmal die gestohlenenSachen wiederzubekommen. Sie theilen sich in Korn- undPferdediebe, in Dorf- und Strassenräuber. Es giebt Berittene,die ihre Sache so schnell machen, dass es unmöglich ist, sie zuverfolgen, (de Amicis : Marocco. S. 205.)

Unter den Beduinen giebt es ehrliche und fleissige Stämme,aber auch viele, die auf Kosten Anderer leben. Sie sind be-kannt durch ihre Sucht nach Abenteuern, durch ihre Tollkühnheit,Ruhelosigkeit und Räubereien.

Die arabischen Räuber glauben, dass Gott ihnen in ihrenUnternehmungen beisteht. (Gen. Damas.)

Es gilt ihnen nicht nur für erlaubt, sondern sogar fürruhmvoll, den Feind zu berauben, und vor dem Antritt solcherRaubzüge geben sie den Armen Almosen und schwören einemihrer Heiligen, Sadi-Abdallah:Wenn wir zurückkehren, seiein Theil für dich." Sie haben das Sprichwort, dass es gutist zu stehlen das Vieh des Winters und in den Zelten desSommers. (Id.)

In Indien ist es der Stamm Zacka-Khail, der aus demRaub ein Gewerbe macht. Wenn ein Knabe geboren ist,weiht man ihn dazu, indem man ihn durch ein Loch in derHaus wand schiebt und dreimal singt: Sei ein Dieb!

In Noukahiva war das Stehlen Zeichen von Geschicklich-keit und galt als verdienstlich,

Später, als zwar nicht die Einzelnen, doch der Stammoder für den Stamm der Häuptling Besitz zu erwerben anfing,z. B. Jagdgründe, wurde der Diebstahl am Eigenthum desStammes ein Verbrechen, während es erlaubt und verdienstlichblieb, Fremde zu bestehlen. In Tasmanien, in Kolumbienhatte jeder Stamm sein Jagdgebiet, und wer es verletzte,wurde getödtet.

Bei den Germanen war es nicht schimpflich, ausser-halb der eigenen Stadt zu stehlen, wie wir gesehen haben.(S. 73.)

Die Eskimos sind ehrlich in ihren gegenseitigen Beziehun-gen, aber nicht mit Fremden. (Parry, Dritte Reise.)