Druckschrift 
1 (1894)
Entstehung
Seite
69
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. (J9

Sklaven zu fangen, die oft dazu bestimmt waren, als Haupt-gericht bei den grossen Mahlzeiten zu dienen.

Die Neuseeländer waren grosse Liebhaber des Frauen-und Kinderfleisches. Sie verwertheten gewissenhaft die Leichen,an denen sie sich ersättigten, und bohrten mit Sorgfalt dieSchädel an, um das Hirn herauszuziehen.

Alle Kannibalen sind darüber einig, dass das Menschen-fleisch einen ausgezeichneten Wohlgeschmack besitzt.

Sage immerhin," erwiderte ein Battahäuptling einemMissionar, der ihm Vorwürfe machte,sage immerhin, es seischändlich, aber sage nicht, es sei schlecht!" (C. Vogt.) ZuEarle sagte ein neuseeländischer Häuptling:Menschenfleischist zart wie Papier." (Letoürnbau.)

Auch für die Cobeus in Uaupes ist der Mensch einwahres Wildpret, so dass sie den Nachbarstämmen Krieg er-klären, lediglich um sich Menschenfleisch zu verschaffen. So-bald sie keins mehr brauchen, lassen sie es zertheilen, räuchernund als Vorrath aufbewahren. Manche Kaffernstämme, die ausNoth Menschenfresser wurden, blieben bei der Gewohnheit ausLeckerei.

Gardiner konstatirte es bei den Zulus, und bis vorwenigen Jahren lebten die Basutos vom Kannibalismus in-mitten einer fruchtbaren und wildreichen Gegend, und wie dieeuropäischen Troglodyten, unsere Vorfahren, wohnten sie inHütten, wohin sie ihr menschliches Wild auch schleppten unddort verzehrten. Ein vorübergehender Nothstand hatte siezuerst gezwungen, zu diesem äussersten Mittel zu greifen; abersie bewahrten lange die Gewohnheit, und im Jahre 1868waren sie von ihr noch nicht geheilt. Im äquatorialen Afrikatreiben die Fan ganz friedlich und geschäftsmässig den Kanni-balismus, und da sie nicht die Leichen ihres eigenen Stammesverzehren wollen, so treiben sie gegenseitigen Leichenhandelmit ihren Nachbarstämmen. Aehnlich machen es die Niam-Niam am obern Nil, bei denen Schweinfurth eines Tagseinem Akt kannibalischer Idylle anwohnte.

Zwischen zwei Hütten war ein sterbendes Kind. Aneiner Thür spielte ein Mann ruhig die Mandoline, an der