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1 (1894)
Entstehung
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67
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei "Wilden. 67

Eltern die Schmach zu ersparen, von den "Würmern gefressenzu werden. Auch die Issedonen ässen die Reste ihrer Eltern,aber nur nach deren natürlichen Tode (IV. 26). Strabö erzählt,dass die Derbis in Nordasien ihre Greise erwürgten, wenn siedas Alter von 70 Jahren überschritten hatten, worauf die Ver-wandten die Leiche unter sich theilten.

e) Kannibalismus im Kriege. Die ursprünglicheWildheit, die völlige Rücksichtslosigkeit gegen die menschlichePerson und die Häufigkeit der Kriege mussten gewiss denwilden Menschen zu dieser Art von Anthropophagie antreiben,die eben so gewöhnlich ist wie die aus religiösem Gefühl. Esgiebt sogar Völker, welche den Krieg nur in der Absicht unter-nehmen, die erlegten Feinde zu fressen; dann aber liegt derBeweggrund eher in der Gefrässigkeit als in der kriegerischenWuth, und daher gehört der Fall zu der nächstfolgendenKategorie.

Die Kriegsgefangenen und die in der Schlacht Gefallenenhaben in allen Ländern den Siegern als Speise gedient, unddas geschieht noch jetzt. 1 Laplace wohnte auf Neuseelandder Rückkehr einer siegreichen Kahnflottille bei. Die Siegerbrachten die Leichen der Besiegten mit, oder vielmehr nurStücke davon, denn sie hatten dieselben zum Theil schonunterwegs verzehrt. Das Uebriggebliebene genügte zu einemgrossen nächtlichen Festmahle mit Tanz und Gesang.

Pater Bkeboeuf sah die Huronen einen seiner Bekehrtenverzehren, und Charlevöix erzählt, dass einmal 22 Huronenvon den Lokesen verspeist worden seien. In Südamerikafressen die Guarany, Tapuya, Tupinamba, Aymari die besiegtenFeinde. Die Karaiben frassen auf dem Schlachtfelde die ge-fallenen Feinde und später zu Hause die Gefangenen; das Herzgebührte dem tapfersten Krieger. In Brasilien hörte Thevet

1 Wilfr. Powell, Unter den Kannibalen in Neubritannien, übers,v. Schröder, Leipzig 1884, sagt: In einigen Theilen Australiens isstman Zunge und Herz, das Herz, um die Verachtung des getödtetenFeindes auszudrücken, die Zunge, weil sie Schmähungen gegen denSieger ausgestossen hatte. Durch Einreiben mit dem Nierenfette glaubtman seine Stärke zu erhalten. (Uebers.)

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