Erstes Kapitel. Das Verbrechen und die niederen Organismen. 3
jedem Blatte giebt. Diese letzteren beugen sieb über demInsekt binnen 10 Sekunden und erreieben nacb andertbalbStunden das Centrum des Blattes, worauf sie sieb niebt eberwieder erbeben, bis das Tbier todt und zum Tbeil verdaut ist.
Die Verdauung wird dureb eine Säure und ein unseremPepsin äbnlicbes Ferment vermittelt, welcbe in grosser Mengedureb Drüsen secemirt werden, deren Reizung auf diebenachbarten und die umstebenden Tentakel dureb einen nacbDaewin der Reflexbewegung der Tbiere sebr äbnlicben Mecha-nismus wirkt.
Wenn das Insekt auf einer Blattseite sitzen bleibt, sobiegen sieb die umstebenden Tentakel sämtlich gegen denBerührungspunkt, wo derselbe auch gelegen sein mag, undtreiben das Opfer gegen die Mitte; der von einer oder mehre-ren Drüsen ausgehende motorische Impuls verbreitet sich durchdas Blatt bis an die Basis der benachbarten Tentakel, übtaber zugleich eine Rückwirkung auf den gereizten Punkt aus,indem es die Sekretion der Drüsen vermehrt und derselbeneine saure Reaktion ertheilt; ihrerseits wirken die Drüsen aufdas Protoplasma.
Bei der Dionaea museipula werden die Kontraktionen dermörderischen Borsten weder durch den Hauch, noch durchflüssige Körper hervorgerufen, sondern nur durch feste Körper,welche zudem stickstoffhaltig und feucht sein müssen. Fernerist zu bemerken, dass die gekreuzten Borsten kleinere Insektenentlaufen lassen, welche für die Ernährung der Pflanze un-tauglich wären.
Bei den Pinguicula-Arten bewirken Wasserköpfen keineKräuselung der Blätter; auch feste, aber anorganische Körperwirken nicht viel mehr. Dickflüssige stickstofflose Substanzenerregen zwar die Sekretion der Drüsen, aber nicht in erheb-lichem Maasse und ohne dass das Sekret sauer wird. Sobaldaber ein fester stickstoffhaltiger Körper mit dem Blatte in Be-rührung kommt, so wird die Sekretion äusserst kopiös undwirksam und das Blatt krümmt sich rasch.
Die Genlisea ornata fängt kleine Thierchen in ganz ähn-licher Weise wie es die Fischer mit der Aalfalle thun.