Druckschrift 
1 (1894)
Entstehung
Seite
XVII
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Vorwort des Verfassers. XVII

typus reden könne, wenn aus meinen eigenen Angaben ersicht-lich sei, dass 60 °/° der Verbrecher nichts von diesem Typusaufzuweisen haben, sondern mehr oder weniger dem normalenMenschen gleichen. Darauf die Antwort: Abgesehen davon,dass 40 °/o schon einen sehr ansehnlichen Beitrag bilden, zeigtsich ein ganz allmählicher Uebergang von einem Merkmal zumanderen auch in der Tbier- und Pflanzenwelt, ja selbst zwischendiesen beiden, um so mehr aber auf anthropologischem Gebiete,wo die individuelle Variabilität in geradem Verhältnisse mitder Vollkommenheit und dem Kulturgrade steigt und den voll-ständigen gemeinsamen Typus beinahe verwischt. So wird manz. B. auf 100 Italiener schwerlich 5 finden können, welcheden bekannten Typus ihrer Nationalität aufweisen, währenddie übrigen nur Fragmente davon zeigen, welche bloss beimVergleiche mit den Fremden in die Augen fallen; und dennochwird Niemand die Existenz eines italienischen Typus leugnenwollen, und noch viel weniger die eines mongolischen u. dergl.

Kurz, ich glaube, der Typus muss mit demselben Vor-behalte aufgenommen werden, wie die mittleren Zahlen inder Statistik. Wenn man sagt, dass die mittlere Lebensdauer32 Jahre beträgt und dass der December der verhängnissvollsteMonat ist, so meint Niemand damit, dass alle Menschen injenem Alter und in jenem Monate sterben müssen.

Diese Einschränkung des Typus ist übrigens den prak-tischen Anwendungen unserer Lehre keineswegs ungünstig,sondern vielmehr förderlich. Denn die strenge Maassregel derlebenslänglichen Gefangenschaft und der Todesstrafe, woraufunsere Untersuchungen hinauslaufen, würde schwerlich durch-führbar sein an einer sehr grossen Zahl von Verbrechern,während ihre Durchführung an wenigen möglich erscheint.Für diese Wenigen erscheint auch der Vorschlag, das Vor-handensein des verbrecherischen Typus, in Verbindung mitsonstigen Verdachtsgründen, als ein Anzeichen der verbreche-rischen Neigung anzuseben.

Lombboso, Der Verbrecher. I. *