71getroffen beim ersten Angriff; mit ihm blieben der jüngste Sohn desLandgrafen Moritz von Hessen und der Graf Solms, und ihre Regi-menter, ohne Führer, wurden von der feindlichen Reiterei geworfen.Ein gleiches Schicksal hatten die drei Dänischen Regimenter, welchezur Aufnahme der Reiterei vorgegangen waren. Als Tilly nun seinerganzen Schlachtlinie den Befehl zum Vorrücken gab, verließen dieDänen ihre Stellung an dem Bache in wilder Flucht.Jetzt führte der König das Gros zum Angriff vor; aber seineTruppen waren entmuthigt durch die schnell sich verbreitende falscheNachricht von der Annäherung Wallensteins mit seiner ganzen Streit-macht. Vergebens suchte der König mit großer Tapferkeit das Gefechtwieder herzustellen; seine Regimenter hielten nicht Stand. Der Königselbst kam in große Gefahr; mehrere der angesehensten Offiziere seinerUmgebung fielen, darunter der uns bekannte General=Kriegs=CommissarPogwisch; des Königs Leib=Compagnie zu Pferde wurde fast ganz auf-gerieben. Der Rückzug artete in vollständige Flucht aus, und derKönig, dessen Pferd stürzte, wäre gefangen worden, wenn ihm nichtsein Stallmeister Wenzel Rotkirch das seinige gegeben hätte. Nur mit40 schwachen Cornetten Reiter gelangte er gegen 6 Uhr Nachmittagsnach Wolfenbüttel.Dreißig Fahnen Fußvolk des linken Flügels hatten sich in dasfeste Schloß Lutter gerettet; mit ihnen Lohausen. Tilly ließ sofort dasSchloß einschließen und Batterieen dagegen auffahren. Nach kurzerGegenwehr mußten die darin befindlichen Fahnen capituliren und sichals Gefangene ergeben 13)Zwei und zwanzig Dänische Geschütze, das Schanzzeug und Lager-geräth, zwei mit Munition und zwei mit Geld beladene Wagen, 102Offiziere und 3000 Mann Gefangene, sieben Cornetten, sechszig Fahnenund zwanzig Fahnenstangen ihres Schmuckes beraubt, waren die Früchtedes Sieges; 4000 Todte hatten die Dänen auf der Wahlstatt gelassen.Tillys Verluste werden als unbedeutend angegeben, nur die Wallen-steinschen Reiter hatten große Verluste gehabt; ihnen verdankte Tillyden Sieg, ohne daß er dies hat eingestehen wollen. Von den Katho-liken wurde der Sieg bei Lutter als ein günstiges Prognosticon fürdas Gelingen ihrer Pläne angesehen; — nomen et omen. Die Gefan-genen wurden theils unter die Tillyschen Regimenter gesteckt, theils nachBockenem*) abgeführt, unter den Letzteren Lohausen—In dem oft citirten Quistorpschen Programm heißt es: in proelio adLutteram captivus à Caesareis Bockenheimiam abductus etc. Hieraus ist der
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