67damals unter den höheren Truppenführern ungewöhnliche geistige Be-gabung und Ausbildung.Auf dem Friedens=Congresse zu Braunschweig, wo AbgeordneteTillys und Wallensteins mit Kur=Sächsischen und BrandenburgischenDeputirten und den Bevollmächtigten der Niedersächsischen Kreisständezusammen verhandelten, hatte man sich nicht einigen können, da vonallen Seiten die Forderungen zu hoch gestellt wurden und beide imKrieg begriffene Theile hartnäckig an ihren Forderungen festhielten.Die Verhandlungen wurden deshalb im Februar 1626 abgebrochen, undaufs Neue sollten die Waffen den Streit entscheiden. Der Feldzugs-plan, den Christian IV. entwarf, stützte sich so ziemlich auf die gleichenPrincipien, welche den Operationen des Vorjahres zur Basis gedienthatten. Die Lage war jedoch in so fern weit schwieriger, als der Ab-fall mehrerer Kreisstände, namentlich aber der förmliche Uebertritt desHerzogs Georg von Braunschweig=Lüneburg auf die Seite des Geg-ners, die Streitkräfte des Königs in hohem Grade verminderte,während das Auftreten Wallensteins und sein Eingreifen in dieOperationen die feindliche Macht zum Mindesten verdoppeln mußte.Auch für den nächsten Feldzug wollte der König selbst sich wie-der Tilly entgegen stellen. Christian von Braunschweig sollte inWestfalen, Johann Ernst von Weimar in Sachsen gegen Wallensteinoperiren. Mansfeld aber sollte versuchen durch Brandenburg nachSchlesien vorzudringen, theils um Wallenstein nach sich zu ziehen, theilsum wo möglich dem verbündeten Bethlen Gabor, der durch Mährenvorgehen sollte, die Hand zu reichen. Das Hauptquartier war nachWolfenbüttel verlegt worden.Mansfelds Schaaren hatten sich in Ostfriesland und dann im Lauenburgischen erholt und mit neuen aus Englischen und Holländischen Sub-sidien geworbenem Volk ansehnlich verstärkt. Schon im Februar brachensie von Lübeck auf, wo sie sich gesammelt hatten und zogen durchMecklenburg ostwärts. Hier erhielt Mansfeld die Nachricht, daß Wallen-stein sich anschicke, in der Dessauer Gegend die Elbe zu überschreiten.Er wendete sich deshalb sogleich nach Süden und zog über Lenzen,Havelberg und Brandenburg auf Zerbst. Am 25. April stieß er ander Dessauer Brücke auf den Feind, wurde jedoch hier in heißem Kampfevon Wallenstein geschlagen, trotz der Unterstützung, welche Baudissinheranführte, und zum Rückzuge genöthigt. In der Mark Brandenburghausten jedoch diese zersprengten Horden dergestalt, daß der Kurfürstdie Lehnpferde aufbot, um das Land zu sichern. Nachdem nun Mans-feld sein Corps einigermaßen wieder gesammelt, sich auch durch inzwi-5*
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten