Druckschrift 
Wilhelm von Calckum, genannt Lohausen
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen
 

51Uebereinkunft gewesen, da nicht nur Neuburg, sondern auch die Kur-fürstin Anna von Brandenburg selbst dagegen protestirte. Der Toddes Kaisers Rudolf II. 1612 hatte in der Jülichschen Successionsfrageauch keine Aenderung hervorgebracht. Gegenseitige Eifersucht Branden-burgs und Neuburgs in Bezug auf einseitig ausgeführte Regierungs-handlungen vergrößerten den beginnenden Zwiespalt, bei dem auch diereligiöse Frage ins Spiel kam, da Markgraf Ernst 1610 von demorthodoxen Lutherthum abgefallen und sich zu der Lehre Calvins bekannthatte, während Wolfgang Wilhelm jetzt noch streng lutherisch war. Alsnun Kurfürst Johann Sigismund 1613 selbst nach dem Rheine kam,der Versuch einer Ausgleichung durch eine Heirath des Neuburgers mitder Tochter des Kurfürsten gescheitert war und durch die historischgewordene Ohrfeige ein trauriges Ende genommen hatte, giengen dieWege der beiden Possedirenden immer weiter auseinander. Schon 1613im November vermählte sich Wolfgang Wilhelm mit Magdalena vonBayern, der Schwester Maximilians, des Hauptes der Liga, und desKurfürsten von Köln, der Schwägerin des Erzherzogs Ferdinand vonOesterreich, und leitete dadurch seine Rückkehr zum Katholicismus ein;im September 1613 starb auch Lohausens Gönner der Markgraf Ernst,und der junge Kurprinz Georg Wilhelm wurde Statthalter in denJülich=Clevischen Landen, worüber wiederum neue Conflicte hervorge-rufen wurden. In den Spanischen Niederlanden aber sammelte Spinolaauf Veranlassung des neuen Kaisers Matthias ein großes Heer, welchesals Reichsexecutions=Armee den alten, und neuen Kaiserlichen MandatenGehorsam verschaffen sollteSo standen die Sachen, als Lohausen den Ruf des Herzogs vonBraunschweig empfieng, und er hat gewiß gerne seiner Heimath Lebe-wohl gesagt, wo für ihn und seine Gesinnung kein ferneres Heil zuerwarten war. Nur kurze Zeit scheint er jedoch im BraunschweigischenDienst gewesen zu sein, da der Streit durch die Vermittelung desKönigs von Dänemark und namentlich auch des Herzogs Georg vonBraunschweig=Lüneburg für diesmal beigelegt wurde.Wir finden Lohausen wieder in Berlin, am Hofe des KurfürstenJohann Sigismund im Jahre 1615. Der Kurfürst hatte ihn in Aner-kennung seiner geleisteten Dienste und seiner sonstigen Brauchbarkeitdorthin berufen, um ihn zu den verschiedenartigsten Aufträgen zu ver-wenden 3). So erhielt er unter dem 8. Juni 1615 ein Patent,EtzlicheSoldaten zu werben. Dies geschah, und für die angeworbene Com-pagnie findet sich in den vom 11./21. Juli 1615 bis 19./29. December1617 gemachten Abrechnungen zum erstenmal die Bezeichnung:Chur-4*