39Umständen hielt es Erzherzog Leopold für das Gerathenste, mindestensseine Person nicht den zu erwartenden Wechselfällen eines Krieges aus-zusetzen; er entfernte sich von Jülich, wie er gekommen war, und über-ließ es dem Herrn von Reuschenberg, den Kampf um die Festung alleindurchzuführen.Nach der Abreise des Erzherzogs Leopold glaubten die Fürstennoch den Versuch machen zu müssen, ob Reuschenberg vielleicht jetzt zurUebergabe der Festung sich geneigter finden lasse. Einer seiner nächstenVerwandten, ebenfalls Johann von Reuschenberg genannt, wurde des-halb Mitte Juli in Begleitung des Licentiaten der Rechte Peter Simo-nius genannt Ritz nach Jülich entsendet. Eine ganz bestimmte Instructionvom 3/13. Juli 1610 zeichnete das Verhalten vor. Nach Inhalt der-selben sollten die Deputirten dem Commandanten zunächst vorstellendaß der Kaiser ihm keine Hilfe senden könne, wegen der eigenenDifferenzen mit seinem Bruder Matthias, daß ferner der ErzherzogLeopold keine Mittel habe ihm zu helfen, und endlich, daß der Erz-herzog Albert sich neutral erklärt habe. Dann sollten sie ihm seineGüter sichern, ihm den Ersatz aller Auslagen anbieten, welche er gehabtzur Instandsetzung der Festung und zur Bezahlung der Söldner. DenHauptleuten sollten sie die Zahlung eines 2 bis 3monatlichen Soldesversprechen. Schließlich sollten sie sich auch an die Frau von Reuschen-berg wenden und ihr eine namhafte Summe Geldes bieten, damit sieihrem Gemahl zurede. Der Französische Bevollmächtigte, Herr vonBoissis, welcher von Schwäbisch=Hall sich nach Düsseldorf begebenhatte, scheint der Anstifter dieses Versuches gewesen zu sein 28). Eskam jedoch nicht zum Abschluß, da der Commandant darauf bestand,er müsse erst die Genehmigung des Kaisers einholen, der ihm dieFestung anvertraut habe, worauf wieder die Fürsten nicht eingehenwollten und konnten, ohne das bisher Geschehene zu verleugnen. DesKaisers Gesinnung hatte sich noch vor wenig Tagen dadurch kundgegeben, daß unter dem 7. Juli 1610 der Kurfürst und 15 Herzogevon Sachsen die Gesammtbelehnung über die Jülich=Clevischen Ländererhielten. Von dort war also kein Entgegenkommen zu erwarten. Nunwar Alles vorbereitet zur endlichen Erledigung der Streitfrage durchWaffengewalt. Nachdem die Fürsten noch ein Patent erlassen hatten,daß keine Früchte aus dem Lande ausgeführt werden dürften und daßthum Limburg lehnspflichtig war, befand sich zu dieser Zeit in Brüssel undhat in seinen oft citirten Aufzeichnungen interessante Aufschlüsse über dieVerhältnisse daselbst gegeben.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten