Druckschrift 
Gebäude für Sammlungen und Ausstellungen
Entstehung
Seite
455
Einzelbild herunterladen
 

___ 455

Um jene Zeit waren die Zimmer-Aquarien ftark in Aufnahme gekommen; fie dienten als Schmuckder Wohnungen und wurden auf Blumentifchen etc. aufgeflellt. Auch das Londoner Aquarium war derarteingerichtet, dafs einzelne, nicht fehr umfangreiche Glaskaflen in einer grofsen Halle auf Tifchen (fanden;es bildete fonach einen Uebergang vom Zimmer-Aquarium zu der jetzt gebräuchlichen Form für Schauzwecke.

Zur Verbreitung und zur Vervollkommnung trug A, IV. Lloyd in London (f 1880) wefentlich bei;derfelbe betrieb das Anfertigen von Aquarien als Gefchäft. Ihm gebührt das Verdienfl, zuerft auf einefachgemäfse Durchlüftung des Waffers, zum Erfatz für den von den Thieren zum Athmen verbrauchtenSauerfloff, gehörig Bedacht genommen zu haben. Gleichzeitig gab er der Aquarien-Liebhaberei dadurcheinen neuen Aufschwung, dafs er folche für Seewaffer anfertigte, wobei eine weit gröfsere Zahl von Thierarten in den Kreis der Beobachtung gezogen werden konnte. Das fntereffe am Leben und Treiben derzahlreichen und mannigfaltigen Wafferbewohner wurde hierdurch immer mehr in weiteren Kreifen gewecktund führte bald, nach Errichtung der erflen zoologifchen Gärten, dazu, gröfsere öffentliche Aquarien zuerbauen.

Das erfte gröfsere Aquarium diefer Art wurde durch Lloyd 1860 in Paris, im Bois de Boulogne,erbaut. Der Hauptfehler der feitherigen Aquarien: der Mangel an befländigem Umlauf des Wafferswurde von Lloyd hier vermieden, indem er einen Tiefbehälter zur Auffpeicherung des Waffers anlegte undaus diefcm, mittels Pumpen, eine Erneuerung des Waffers bewirkte.

Ein zweites Aquarium baute Lloyd 1864 in Hamburg im dortigen zoologifchen Garten unter Mit-wirkung des Architekten Haller. Diefe Einrichtung bewährte lieh fehr gut und wurde typifch für diemeiften weiterhin errichteten Aquarien. In rafcher Folge entftanden folgende Aquarien: 1866 in Hannover(durch Liier erbaut), 1869 in Berlin (gleichfalls durch Lüer erbaut), 1872 in Brighton (durch Lloyd erbaut),1874 in Neapel (durch Dohrn und Profumo erbaut), 1876 in Weftminfter zu London, 1876 in Newyork,1877 in Frankfurt a. M. (durch Schmidt, Müller und den Verlaffer des vorliegenden Kapitels erbaut), 1878in Leipzig, 1880 in Amfterdam (durch Salm erbaut) u. a. m.

Allerdings wurden nicht alle diefe Aquarien unterirdifch, wie das Hamburger, erbaut; wohl aberwurden die Grundfätze, welche Lloyd dort aufgeflellt hatte, überall beibehalten, namentlich fländige Er-neuerung des Waffers und die Aufbewahrung der hierzu dienenden Waffermenge in unterirdifchen Räumen.

An diefer Stelle fei auch noch der Aquarien gedacht, welche in der Regelmit den zoologifchen Inftituten der Univerfitäten und mit den fog. zoologifchenStationen verbunden werden; von folchen Anlagen war bereits in Theil IV, Band 6,Heft 2 (Abth. VI, Abfchn. 2, B, Kap. 7: Zoologifche Inftitute) diefes »Handbuches«die Rede.

Da in den meiften Fällen Aquarien dem Publicum gegen ein gewiffes Entgelt 368.zugänglich find, ift es felbftredend geboten, den Bauplatz in lebhafter Lage oder '^'f*in befuchten öffentlichen Gärten zu wählen. Wo hingegen das Aquarium haupt- Umgebung.fächlich zum Studium für Naturforfcher benutzt werden foll, ift eine ruhige, fülleLage zu bevorzugen, um namentlich jede Erfchütterung durch Wagen zu vermeiden.

Die Umgebung ift in fo fern von Wichtigkeit, als möglichft reine, ftaubfreieLuft für die Thiere fowohl, als auch für das Waffer jedenfalls beffer ift, als folche,welche durch Staub und chemifche Dünfte verunreinigt ift. Auch ift darauf zu fehen,dafs der nöthige Lichteinfall nicht verbaut werden kann.

Ein Aquarium foll die Bewohner der Meere und Flüffe dem Befchauer in 36,.,.möglichft günftiger Weife zur Anfchauung bringen, und zwar thunlichft unter den-felben Lebensbedingungen, wie folche die Thiere gewohnt find. Hieraus ergebenfich folgende Erforderniffe:

a) für die Thiere: reines Waffer von gleichmäfsiger Temperatur, gute Circu-lation deffelben und ausreichende Beleuchtung;

b) für den Befchauer: bequemer Standpunkt zum Befchauen, entfprechendgrofser Zufchauerraum und guter Verkehr in letzterem;

c) für den Betrieb: Mafchinen- und Pumpenanlagen in doppelter Anzahl fürden ftändigen Umlauf des See-, wie des Süfswaffers, Hochbehälter zur Erzeu°-un°- des

1 ifordermfle