I lO
aufgeteilt Beffer ift es indefs, die Landkarten im Ganzen auf Leinwand aufzu-fpannen und fie alsdann als Wandkarten hängend oder im gerollten Zuftande aufRollenftändern aufzubewahren.
In Fig. 158 ift ein derartiger, zum Drehen eingerichteter Ständer dargeftellt.Ein frei flehender Ständer aus der Bibliothek des Britifh Mufeum zu London iftdurch Fig. 159 110 ) veranschaulicht.
Es ift nicht feiten erwünfeht, an einem frei flehenden Ständer mehrere hintereinander hängende Karten je nach Bedarf zu befichtigen; alsdann ift eine felbft-thätige Stellvorrichtung beim Auf- und Nieclerlaffen der Karten erforderlich. Esgiebt zu diefem Ende manche patentirte amerikanifche Conftructionen; doch ift auchdie Scklör'fche, ursprünglich für Rollvorhänge beftimmte Einrichtung 111 ) anwendbar.
Mufikwerke werden, wenn fie nicht zu grofses Format befitzen, ähnlich wiedie Bücher, bei gröfserem Format eben fo wie Kupferftiche aufbewahrt.
80.
Räume
für das
Publicum.
Lefefäle,
3) Lefe räume.
Es wurde bereits in Art. 39 (S. 45) angedeutet, dafs für die Benutzung derBibliothek vor Allem Ausleihe- und Lefezimmer oder, wenn ein Verleihen vonBüchern nach auswärts nicht ftattfindet, nur letztere vorzufehen find. Aufserdemfind Kleiderablagen, Aborte und Piffoirs nothwendig; zweckmäfsig ift auch das An-bringen von Wafchtifch-Einrichtungen.
Je nach dem Umfang und der Betriebsart der Bibliothek ift für einen odermehrere Leferäume zu forgen. Im allgemeinen Leferaum werden Zeitfchriften,Brofchüren und Manufcripte wohl nur feiten benutzt werden dürfen, und aus diefemGrunde ift es zweckmäfsig, für letztere, wenn thunlich, befonderc Räume anzulegen.
Die Lefefäle in den öffentlichen Bibliotheken Frankreichs, Englands und Nord-amerikas find in der Regel wefentlich gröfser, als diejenigen in Dcutfchland undOefterreich-Ungarn. In letzteren ift man mit dem Ausleihen der Bücher nicht fozurückhaltend und ängftlich, wie in elfteren. In Dcutfchland und Oefterreich-Ungarnhat das häusliche Studium das Uebergewicht über dem Arbeiten im Lefefaal, undin den Univerfitäts-Bibliotheken geht man, wie bereits erwähnt worden ift, fogar foweit, den Mitgliedern des Profcfforen-Collegiums und felbft anderen Gelehrten dasBetreten der Bücherräume, das Arbeiten in denfelben und die Auswahl der zu ent-leihenden Bücher an ihren Standorten zu geftatten. In Folge deffen erhält deröffentliche Lefefaal wefentlich geringere Abmeffungen.
In Leferäumen mufs für ausreichende Erhellung, wirkfame Lüftung und zweck-mäfsige Heizung Sorge getragen werden. Dafs dicfelben thunlichft fern vom Ge-räufch der Strafscn gelegen fein follen, wurde bereits gefagt; allein auch der Ver-kehr innerhalb des Bibliothekgebäudes felbft foll von denfelben möglichft ferngehalten werden.
Wichtig ift es ferner, den Fufsboden derart auszuführen, dafs durch das Be-gehen deffelben die Lefer nicht geftört werden. Im Intereffe der Fcuerficherheitempfehlen fich Terrazzoböden oder Eftriche; doch werden auch hölzerne Fufsbodenverlegt. Unter allen Verhältniffcn find diefe Fufsboden mit fchalldämpfendcn undftaubfreien Stoffen zu belegen. Linoleum eignet fich hierzu ganz gut; in den Lcfe-fälen der Bibliothek des Britifh Mufeum zu London und der Bibliotheqne nationalezu Paris ift für diefen Belag Kamptulikon gewählt worden.
Eingehend befchrieben in: Deutfche Bauz. 1883, S. 471.
1U) D. R.-P. Nr. 31457.