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Bedingungen
für die
Gefammt-
anlage.
42.
Bauliche
Entwickelung
Aeltere
Anlagen.
nutzung und nicht feiten von den örtlichen Verhältniffen, von der gefchäftlichenOrganifation, von den beflehenden Beftimmungen etc. ab.
Es giebt viele Bibliotheken, welche nur auf einen Betrieb innerhalb des Bibliothek-gebäudes Rückficht zu nehmen haben, wo alfo gar keine oder doch nur eine be-fchränkte Ausleihe von Büchern aufserhalb des Gebäudes ftattflndet. In anderenwieder vollzieht fich eine regelmäfsige Ausleihe nach aufsen, fo dafs in diefem Falleaufser den Leferäumen auch noch Ausleihezimmer vorzufehen find, während fich imerfteren Falle der Verkehr des Publicums auf die Benutzung der Lefefäle befchränkt.
Letzteres trifft in den allermeiften englifchen Bibliotheken zu, eben fo in der Bibliotheque nationalezu Paris u. a. Die Anlage der grofsen Lefefäle in der Bibliothek Ste.-Gencvieve und der Bibliothequenationale zu Baris, in der Bibliothek des Britifh Mufeum zu London, erfterer mit 420 und die beidenletzteren mit bezw. 344 und 364 Sitzplätzen, ift hiervon eine naturgemäfse Folge.
In ähnlicher Weife, und doch auf anderen Grundlagen fufsend, zeigen die zahlreichen gröfserenund kleineren ftädtifchen Bibliotheken Nordamerikas einen ftarken Befuch ihrer Lefefäle 45 ). Das Gleichegilt von den Volksbibliotheken in Frankreich, der Schweiz, Belgien und England.
Eine weitere Verfchiedenheit in der Benutzung von Bibliotheken ift noch darinzu finden, dafs einerfeits (und zwar meiftens) die Bücherräume nur von den Bibliothek-beamten , nicht aber vom Publicum betreten werden dürfen, dafs andererfeits aberauch Ausnahmen hiervon vorkommen. In den deutfchen und öfterreichifchen Uni-verfitäts-Bibliotheken befiehlt die Einrichtung, dafs den zugehörigen Univerfitätslehrern,auch wohl fremden Gelehrten, der Zutritt zu den Bücherräumen, fo wie die Benutzungder Bücher am Aufftellungsorte geftattet ift. Gleiches findet fich in den Bibliothekender technifchen Hochfchulen, vieler Akademien etc.
Bei der Gefammtanlage und Einrichtung einer Bibliothek find vor Allemfolgende drei Bedingungen zu erfüllen :
1) Für die Benutzbarkeit der Bibliothek muffen Geräumigkeit, Bequemlichkeitund Zweckmäfsigkeit in weit gehendftem Mafse vorhanden fein.
2) Die Bücherfammlung mufs vor Feuersgefahr, vor Feuchtigkeit und vorallen anderen fchädlichen Einflüffen thunlichft vollkommen gefchützt fein.
3) Der Bauplatz mufs fo grofs gewählt und die Grundrifsanordnung in folcherWeife getroffen fein, dafs die in der Folge nothwendig werdende Erweiterung ohnebefondere Schwierigkeiten möglich wird.
Erft in der neueften Zeit hat man den vorgehenden allgemeinen Bedingungendurch eine zweckmäfsige Anordnung des Grundriffes und der Conftructionsweife derbetreffenden Gebäude genüge zu leiften verflicht. In früheren Jahrhunderten wurdenBibliothekgebäude, in fo fern folche überhaupt eigens für Bibliothekzwecke errichtetworden find, in der Regel als Repräfentationsbauten, als Schaubibliotheken ausgeführt.Sie waren äufserlich als Paläfte geftaltet und enthielten im Inneren eine Anzahl gröfserer,architektonifch ausgeftalteter Säle, in denen die Bücher längs der Wände innerhalbhoher Büchergerüfte oder Bücherfchränke aufgeteilt waren. Wir nennen in dieferBeziehung die Biblioteca Laurenziana zu Florenz, nach den Entwürfen von Michel-angelo 1524 angefangen, deren Vorhalle von ihm felbft erbaut und deren TreppeI57 1 v on Vafari vollendet wurde, fo wie die Libreria vecchia zu Venedig, 1536 vonSanfovino errichtet, eine der prächtiglten Profanbauten von Italien (Fig. 44 u; ).
* 5 ) In dem Werke »Public lidrar ies in the United States (New-York 1876)'' wird beifpielsweife der öffentliche Leferaumder Cooper Union zu New-York erwähnt, welcher feiner Zeit 318 Zeitungen und Zeitfchriften, ungefähr 100 Monatsfchriften und17000 Bücher enthielt. Die Zahl feiner Befucher (lieg fchon im Jahre 1875 auf 581798 bei einem täglichen Befuch von 800 bis2500 Perfonen.
4(i ) Facf.-Repr. nach: Encyclofiedie d'arch. 1881, PI. 765—766.