von Frankreich, und wir erfahren, dafs in Folge des letzten Unfalles die neu geordneten Urkunden in derSie. Chapelle du Palais verwahrt werden follen. In gleicher Weife kommen die Archive mit den Päpftenin das Wandern; fie folgten ihnen nach Viterho, Orvieto und Avignon, wobei lehr Vieles zu Grunde ge-gangen ift.
Bei den ilalienifchen Republiken im XIII. und XIV. Jahrhundert war es allgemein üblich, denMönchen mit den öffentlichen Geldern auch die Archive zur Aufbewahrung zu übergeben.
Das Archiv des deutschen Reiches theilte die Schickfale des Reiches. Die Urkunden find in Neapel,Turin, Fifa, München, Dresden, Wien und anderen Orten zerftreut. Die Archive der grofsten deulfchenAdelsgefchlechter und Fürftenhäufer reichen feiten über das XIII. Jahrhundert.
Der Anfang der flädtifchen Archive kann höchftens in das XII. Jahrhundert gefetzt werden. Viele<ler vormaligen deutfchen Reichsftädte werden erft fpäter durch ihre Anhänglichkeit an die Kaifer mitVorrechten und Privilegien aller Art belohnt, welche fie nun auf das forgfältigfte Ordnen und AufbewahrenVerleiben bedacht fein liefs.
Rathhaus und Kirchen, namentlich der Mendicantenorden (Dominicaner, Franciscaner und Carme-liter), nehmen im Anfange die werthvollen Urkunden auf. Immerhin und ihre Archive nicht fo reich-,haltig, als jene der alten Klöfter und Stifte, indem ihnen durch innere /.Willigkeiten, Krieg und Feuers-gefahr die grofsten Verlüde beigebracht wurden. Fromme Ehrerbietung für die Gotteshäufer, Klöfter und■die dazu gehörigen Gebäude hielt meiftens, felbft in den Zeiten der grofsten Verwirrung, die verheerendenFolgen von denfelben ab, wogegen die von den Fürften und dem Adel gehafften Städte belagert, verheertund öfters auch ihre Archive geplündert und verbrannt wurden. Der Schutz diefer geweihten Stättenwird im Mittelalter oft von dem zerftreut im Lande, auf abgelegenen Schlöffern lebenden Adel für dieUrkunden in Anfpruch genommen. Defshalb bergen die geiftlichen Archive vielfach Urkunden, die zumBefitzftand der betreffenden geiftlichen Anftalt in keiner Beziehung flehen.
In den Städten war das Rathhaus der natürliehfle Aufbewahrungsort für die Schrift Rücke, auf denen•das rechtliche Leben der Stadt beruhte; aber auch dort fuchte man zuweilen Zuflucht und Sicherheit fin-den Urkundenfchatz im Bereich der Kirche. In Lübeck ift das Archiv feit der Gründung unverfehrt er-halten: ein feftes Gewölbe über der Rathscapelle. Von Breslau willen wir, dafs die Privilegien imErkerthurm an der Südoftecke des um die Mitte des XIV. Jahrhundertes erbauten Rathhaufes von Anfangan untergebracht waren. In Worms befanden lieh die Privilegien im alten Archivgebäude des Bürger-hofes, das den grofsen Brand überftancl, und die beiden jetzt zum Archiv dienenden neu hergerichtetenGewölbe dafelbft lind fomit nur ihrer einftigen Beftimmung zurückgegeben worden. Die Stadt Freiburgim Breisgau bewahrte laut einer Aufzeichnung vom S.Juni 1414 ihre Urkunden in dem Gewölbe .zumHähnen in uns lieben frowen Münfler«, das find die Uahnenthürme, die beiden Thünne des romanifchenMittelbaues am Münfler, welche den Chor zu beiden Seiten abfchliefsen, in deren füdliehein feither un-unterbrochen ein Theil der Stadt-Regiftratur aufbewahrt wurde. Im Jahre 1551 wird dann im Gebäudedes grofsen Rathsfaales ein befonderes Rathshof-Archiv vorgefehen, das in zwei über einander liegenden,im fpätgothifchen Stil ausgeführten, hübfehen, kleinen Kreuzgewölben heute noch befleht.
In England wird das Archiv im Tower zuerft. unter Eduard I. 1305 erwähnt. Abgefondert davonwar in Weftminfter das Archiv der Schatzkammer').
In Dänemark gab es im Mittelalter königliche Archive auf den Schlöffern Roeskilde und Vording-borg auf Seeland. Nach einer Handfefte des Königs Hans vom 1. Februar 1483 follen der Schatz und■die Briefe des Reiches auf dem Kaliundborger Schlofs im Schlofsthurm bleiben, und es wird diefes Archivim Laufe des folgenden Jahrhundertes oft erwähnt. Von dort mufs es vor dem Jahre 1596 weggeführt undmit dem Archiv auf dem Schlöffe zu Kopenhagen vereinigt worden fein. Jm Jahre 1720 erhält das Archivfein eigenes Gebäude; 1850 werden feine Räume bedeutend erweitert; 1860 kommt das fog. GewölbeChrißiuns IV. dazu, das jedoch eilt 1866 — 67 zum Gebrauche fertig wurde.
Von den Archiven des Mittelalters in Norwegen haben wir nur fpärliche Nachrichten. WichtigeUrkunden werden auf Schlofs Akershus und beim Erzbifchof von Drontheim bewahrt. Am 26. |uli 1732meldet ein Statthalter der nun dänifchen Provinz Norwegen dem König, dafs er das Archiv »einemSchweineftall ähnlicher, als einem Archiv« gefunden.
Die erften Anfpielungen eines Reichsarchivs in Schweden linden lieh in der Verfchreibung desKönigs Sigismund aus dem Jahre 1594, wo es heilst, dafs »ein gewiffes Local. angewiefen werden foll.Erft 161S erhielt das Archiv eine fettere Organifation; im Jahre 1626 wird Stockholm als Aufenthaltsortbeftimmt und drei Gewölbe werden dem Archiv angewiefen 8 ).
') Siehe: WaTTENBACH, a. a. 0.
s ) Vergl.: Secher, Das Archivwefen im fkandinavifchen Norden. Archival. Zeitfchr., Bd. 6, S. 44, So, 87.