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nicht bloss nachbilden, er muss übersetzen. Es ist erfreu-lich, zu sehen, wie schöne Fortschritte auf diesem schwie-rigen Kunstgebiete gemacht werden, und gerade inDeutschland: die Ausstellung bietet genügende Beweisedafür. Wenn vielleicht die Eleganz und Bravour einigerStecher des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts von un-seren heutigen Meistern nicht ganz erreicht ist, so darfman dagegen den letzteren eine grössere Strenge der Zeich-nung, eine grössere Treue dem Originale gegenüber ge-trost zusprechen.
Ich muss mich leider beschränken und kann nur einigeder besten und verhältnissmässig neuen Stiche erwähnen.Wie ich schon früher sagte, steht unter den deutschenMeistern Eduard Mandel in Berlin ohne Zweifel obenan.Seine Werke dürften in Bezug auf Technik und Durch-führung überhaupt schwer ihres Gleichen finden. EinFrauenportrait nach Titian, die sogenannte „Bella di Titiano"ist in der Behandlung wirklich unübertrefflich, doch gehtdie Eleganz des Machwerkes fast zu weit und etwas überden Charakter des Originals hinaus, besonders in dem Kopfe,der nicht die ganze Grösse und Breite Titianischen Vor-trages zeigt, sondern einiger Maassen in's Moderne über-setzt erscheint. Dasselbe gilt auch von der „Madonna dellaSedia" nach Rafael, ein Blatt, welches alle früheren Nach-bildungen dieses Werkes weit zurücklässt, auch die so sehrbestechende, weiche, malerische von E. C. Schäffer inFrankfurt a. M., welche ich schon früher erwähnte. Man-del hat auch hier das Original, wenn auch ganz leise, mo-dernisirt. Das ist aber ein Mangel, wenn es überhaupt einMangel zu nennen ist, der nur dem genauen Kenner derOriginale als ein solcher erscheinen wird; die Stiche sindvon so ausserordentlicher Schönheit, dass sie das feinst-gebildete Auge des Fachliebhabers wie das des gewöhn-lichen Beschauers entzücken müssen.
E. C. Schäffer's „Madonna del Granducca" ist ein sehrvorzügliches Werk und jedenfalls der „Madonna della Sedia"