— 336 -
dargestellt; zwar ist das natürliche Motiv immer die Grund-lage, welche der Künstler nicht verlässt, in einigen seinerBilder aber gewinnt das künstlerische Arrangement ganzden Werth selbstständiger Cpmposition und Erfindung.Auch die malerische Seite dieser Bilder steht unendlichhöher, als bei den Vorgenannten; Farbe und Haltungwerden nicht vermisst, wenn die Behandlung auch oft nochhart und spitz erscheint und die Farbe dadurch nicht zurechter Kraft und freier Entfaltung kommt. Die Zeichnungist in allen diesen Bildern von grösster Feinheit und be-wusster Sicherheit, die Angabe der Formen des Terrainsund der Gebirge von grösster Deutlichkeit, und die Aus-führung geht bis in's geringste Detail mit gleicher Auf-merksamkeit.
In ganz ausserordentlicher Weise verbindet sich diestylistisch-ideale Formengebung mit der schönsten klarstenFarbe und einer wirklich zauberischen Lichtwirkung in denLandschaften von Karl Rottmann (gest. 1850).
Mit Karl Rottmann erreicht die neuere deutsche Land-schaftsmalerei einen Gipfelpunkt. Nicht als ob nicht seitihm und neben ihm Fortschritte gemacht worden seien, eshaben verschiedene Künstler in verschiedener Weise undnach verschiedenen Richtungen im Einzelnen gleich Wür-diges und auch Vollendeteres geleistet, es erscheint aberin Rottmann's Werken sowohl die poetische Seite desWerkes als die technische auf gleicher Höhe und in gleicherFreiheit; der Künstler schafft nach seiner individuellenWeise, unbehindert durch Schwierigkeiten der Darstellung,und seine Werke zeigen einen durchaus genialen Charakter.Um das grosse Talent dieses leider früh verstorbenenMeisters zu würdigen und recht zu erfahren was Rottmanngeleistet, genügt nicht die Betrachtung einzelner seinerStaffeleibilder; seine Bilder in der neuen Pinakothek undunter den Arcaden des Hofgartens zu München geben ihnaber ganz. Durch die freieste Auffassung der Natur, ver-bunden mit durchdrungendster Kenntniss derselben, scheinen