— 314 —
so sind auch die Portraits vom Ende des vorigen Jahr-hunderts ganz unvergleichlich schwächer und schlechterals die aus dem Anfange des Jahrhunderts oder dem vor-hergehenden.
Einige Portraits, welche dem Ende des vorigen Jahr-hunderts entstammen, will ich hier anführen, weil sie unsüberleiten zu den neueren Meistern des Portraits, nämlichzwei Bildnisse von Anton Graff, einem seiner Zeit durchganz Deutschland und weiter berühmten und vielbeschäf-tigten Künstler, eines von Gottlieb Schick, ein Jugendwerkfast noch aus der Knabenzeit dieses Künstlers, sowie fernereines von Friedrich Georg Weitsch, weiland Professor ander Akademie in Berlin und Lehrer von Wilhelm von Scha-dow, dem Vater der Düsseldorfer Schule, der aber von diesemLehrer wohl wenig behalten hat.
Graff's Portrait der .Gemahlin Friedrich's des Grossenzeigt eine sehr gewandte Behandlung, eine frische klareFarbe und ist überhaupt ein sehr schätzbares Werk, nurzeigt es weniger ein directes Studium des gegebenen Ob-jectes als eine Darstellung desselben in einer eingelerntenfeststehenden Darstellungsweise. Freilich, wo blieb dieNatur unter Puder und Schminke? und wer könnte vonKünstlern, welche eine solche maskirte Natur darzustellengewohnt und gezwungen waren, eine Darstellung verlangen,wie wir sie von unseren Portraitmalern verlangen?
Das Bild ist übrigens sehr lebendig und muss gewissähnlich gewesen sein, denn es zeigt eine individuelle Phy-siognomie und da die hohe Dame in ihrem höheren Alterdargestellt ist, so fällt auch die gepuderte Frisur wenigerauf und die Schminke hat der Maler nicht nachgeahmt,obgleich er das Colorit in jugendliche Frische übersetzt hat.Interessanter ist das zweite Bildniss dieses Künstlers,ein Portrait seines Sohnes, eines Knaben von 10—12 Jahren.Hier aber zeigt sich deutlich die Richtung jener Kunst-periode. Das Bild ist mit dem bestimmtesten Bestrebengemalt, Rembrandt'sche Farbe und Behandlung nachzu-