— 261 —
In dieser Richtung hat die Zeit von 1850—1860 Vortreff-liches gebracht, Bilder, welche den besten Werken allerZeiten ebenbürtig sind.
Andere suchen nach spannenden oder doch interes-santen Begebenheiten, stellen novellistische Scenen darund wollen nicht nur schildern, sondern auch erzählen;wieder andere suchen im Fremartigen und Fernen dasInteressante und Anziehende, in fremdem Costume undfremder Sitte. In allen diesen Richtungen ist Vortreff-liches geleistet, eine ganze Welt thut sich in den Bildernvor uns auf, und vieles, an welchem wir im Leben un-achtsam vorübergehen, gewinnt erst in dem Spiegelbilde,welches die Kunst aufstellt, Werth und Bedeutung; dieMalerei geht auf gleicher Spur, wie unsere moderne Novel-listik, Roman- und Reiseliteratur; ihre Schilderungen machenselbst das an sich Unbedeutende, bedeutend, Charaktere undZustände, welche in der Wirklichkeit uns selbst vielleichtunbequem und unerfreulich sein würden, erlangen poetischenReiz oder erregen wenigstens unser Interesse und unserenAntheil; Anregung zum Nachdenken, Erinnerung an selbstgemachte vergessene Beobachtung tritt an die Stelle desSchönheitsgenusses und, der Sinnesart unserer Zeit gemäss,nehmen wir die realistische Wahrheit der Darstellung, auchwo sie eben nicht schön noch anmuthig auftritt, gern hinund lassen uns von der Kunst auf uns selbst und unserenächsten Zustände zurückführen, statt in das Zauberlandidealer Schönheit. In der That glaube ich, dass die Aus-bildung des Genres ein Fortschritt in der Kunst ist, zwarnicht in die Höhe, aber in die Breite.
Aber jede Richtung hat ein Uebermaass. Einige Er-scheinungen in der Kunstwelt zeigen ein Bestreben, ledig-lich das Materielle der äusseren Erscheinung darzustellenund darüber den Geist der Erscheinung zu vernachlässigen,ja, ihn sogar als hinderlich zu verbannen. Es ist lächer-lich, aber dennoch wahr, eine neuere Kunstrichtung wett-eifert um diese Zeit mit der Photographie und sucht das