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ist mehr die Stimmung des kühlen Spätherbstes als die desschönen Mittsommer-Abends. Die Farbe ist grau undstumpf und die Behandlung affectirt, und möchte auf künst-lichem Wege naiv erscheinen, wie manche Franzosen.
Die gleiche Richtung, wie das oben genannte, zeigtein Bild von Anselm Feuerbach in Rom: „Dante mit edlenFrauen von Ravenna spazieren gehend". Ich habe desKünstlers bereits früher als eines Meisters in virtuoserFarben- und Pinsel-Behandlung erwähnt, dem es aber da-bei auf innere und äussere Wahrheit nicht eben ankommt.Auch in diesem Bilde zeigt sich eine sehr geschickte Tech-nik, eine grosse Pinselfertigkeit und eine bestechende, wennauch unwahre Farbe. Wie der Gegenstand ein sehr nichts-sagender ist, so ist auch die Composition eine höchst nüch-terne und einfache, die Figuren stehen auf gleicher Liniegerade auf neben einander, der Horizont ist ungewöhnlich,ja, unnatürlich tief, die Landschaft ganz leer und fast nurLuft, so dass die stracken, geraden Figuren sich höchstauffallend vom Hintergrund absetzen; dieselbe Wirkungmacht auch die Farbengebung, welche sich auf grosseMassen von contrastirenden Localfarben beschränkt, diewiederum durch einen gleichfarbigen Schatten und Mittel-ton vereinigt werden sollen.
Aber alle diese Einfachheit und scheinbare Naivetätder Auffassung und Darstellung ist eine affectirte und sehrbewusste Weise angewandt, um unsere Aufmerksamkeitzu erregen. Es ist dem Künstler gar nicht daran gelegen,mit seiner Kunst etwas zu sagen und zu schaffen, es kommtihm lediglich darauf an, des grossen Publicums Neugierdeanzuziehen und durch irgend etwas unerhört Neues, nochnicht Dagewesenes, Aufsehen zu erregen.
Jeder Pariser Salon bringt eine solche Neuigkeit zuTage, welche erscheint, von sich reden macht, einige Mo-nate oder Jahre bewundert wird und dann verschwindetund verachtet wird, wie gebührlich. Wir haben in Parisauf Leute, welche die Farbe eines Rubens überbieten