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schichte, ein psychologisches Phänomen der unerhörtestenArt, ein nie ganz zu lösendes Räthsel, und diese Figur ineinem ganz einzigen Moment und in einer ganz einzigenSituation.
Die alte Roma war niedergebrannt, Tage und Nächtelang hatte das Feuer gewüthet, die ehrwürdigsten Denk-mäler waren zerstört, die heiligsten Tempel vernichtet; seitdem Einbrüche der Gallier war keine solche Calamität überdie ewige Stadt gekommen, und man munkelte, der Kaiserselbst habe diesen Brand willkürlich angestiftet; ja, er hattesich daran poetisch ergötzt, hatte den Brand Troja's, ge-sungen, während die Welt-Hauptstadt in Flammen aufging.
Der Kaiser aber und sein Hof beschuldigten die Christendes Unheils; die fremde, unbegreifliche Secte, welche dieGötter des Staates verachtete, diese gottlosen Feinde desMenschengeschlechts hätten das Unglück angerichtet, undes erging ein schreckliches Straf-Edict gegen sie; grässlichwurden sie verfolgt und hingerichtet, sie starben unschuldig,ein Opfer des schrecklichen Halbnarren, welcher Gräuel-thaten mit Gräuelthaten sühnen wollte. Das ist die Ge-schichte, die dem Bilde zu Grunde liegt.
Es ist früh Morgens, Dämmerung, im Flintergrundeglüht die noch brennende Stadt, vorn ist der Brand, be-reits erloschen, der Schutt desselben scheint schon auf-geräumt. Ganz vorn schreiten zwei Prätorianer uns ent-gegen, ihnen folgen Knaben in Purpurkleidern mit Fackeln,es sind nach heutigem Ausdruck Pagen des Kaisers, zweiweisse und ein Negerknabe, sie blicken scheu und er-schreckt nach einer Gruppe von Leichen, welche zur Seitedes Weges liegen; ein Mann und eine Frau sind es, welchean einem Pfahl gebunden, zusammengesunken sind, eintodtes Kind liegt frei neben ihnen, an dem Pfahl ist einZettel befestigt mit den Worten „edictum in christianos",es sind verurtheilte, hingerichtete Christen. Weiter imMittelpunkte schreitet Nero mit seinem Gefolge — überdie Bühne; Ich wollte das Wort erst nicht gebrauchen,